Deutschlands Blogger Elite, wenn man das denn so nennen kann, hat heute das Internet Manifest online gestellt. In 17 Thesen wird erklärt welche Vorteile, Veränderungen und Auswirkungen das Internet auf die bestehende Medienwelt hat. Das kann ich an dieser Stelle bedenkenlos unterschreiben.
1. Das Internet ist anders.
Es schafft andere Öffentlichkeiten, andere Austauschverhältnisse und andere Kulturtechniken. Die Medien müssen ihre Arbeitsweise der technologischen Realität anpassen, statt sie zu ignorieren oder zu bekämpfen. Sie haben die Pflicht, auf Basis der zur Verfügung stehenden Technik den bestmöglichen Journalismus zu entwickeln – das schließt neue journalistische Produkte und Methoden mit ein.
Die restlichen 16 Thesen gibt es nach dem nächsten Klick.
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Golem berichtet heute von einem Vorschlag der nordrhein-westfälischen JU (gestern auch schon bei DerWesten.de), Registrierungen auf Videoplattformen wie Youtube oder MyVideo zu erschweren. Es ist angedacht die Anmeldeprozess zu verschärfen und noch mehr persönliche Daten zu Pflichtangaben zu machen. Nämlich die Personalausweisnummer und die Anschrift. Begründet wird dieser Vorstoß mit dem Vorwand, man wolle Jugendkriminalität erschweren und eindämmen. Golem zitiert den Landesvorsitzenden der Jungen Union, Sven Volmering, wie folgt:
“Rivalisierende Jugendbanden putschen sich mit Hassbotschaften und Gewaltposen im Internet auf, um sich anschließend zu Straftaten zu verabreden”, so Volmering. Besonders in “problematischen Stadtteilen” seien Jugendgangs wieder “angesagt”, was sich in der Kriminalstatistik durch eine Zunahme der Gewaltdelikte durch Jugendliche widerspiegle. Ordnungsbehörden, Jugendämter und Polizei müssten gegen “mediale Gewalt” verstärkt vorgehen. “Einschreiten und abschalten” sei die Forderung der Jungen Union.
(Quelle, Golem.de)
Was eine abstruse Forderung. Wie wäre es denn, anstelle von “Einschreiten und abschalten” mit “Einschreiten und die Jugend von der Straße holen”? Diese Forderung zeigt in diesen Tagen, die wir in 10 Jahren als den Beginn der bundesdeutschen Netzzensur in Erinnerung haben werden, doch sehr deutlich was die Union vom freien Internet, wie wir es bisher kannten, hält. Nämlich garnichts. Die Junge Union in NRW springt da gerade auf den abfahrenden Zug der Zensur und man könnte meinen, dass sich da jemand bei Deutschlands Vorzeigemutti Zensursula von der Laien ins Bettchen kuscheln will.
Nein, liebe JU, das ist ausgemachter Schwachsinn. Euch darf man dann wohl bald als die zweite Generation der Internetausdrucker bezeichnen.
Unter dem Titel “Weshalb meine Schuhgröße im Netz steht”, hat Sascha Lobo im Tagesspiegel einen wirklich sehr guten Artikel veröffentlicht. Es geht um das Verhalten der Nutzer in der schönen neuen Netzwelt. Warum sich Menschen in sozialen Netzwerken anmelden, Blogs schreiben, twittern, das Internet als Kommunikationskanal nutzen und warum man so viele detaillierte persönliche Profile findet. Ein kurzer Ausriss:
Inzwischen hat sich die Internetgesellschaft, die Webciety, so weit entwickelt, dass man mehr braucht als ein abgenutztes Ironiesymbol, um seine Absichten, seine Meinung, seine Gedanken und damit seine Persönlichkeit auszudrücken. Zumal die Persönlichkeit auch eine tages- und minutenaktuelle Seite in sich trägt, etwa die momentane Stimmung oder die allgemeine emotionale Verfassung. Der stetige Strom der verschiedensten Inhalte, die ins Netz gestellt werden, erfüllt diese Funktion. Sie zeigen der Außenwelt, in welchen Kontext man den Verfasser stellen muss. Das Design des eigenen Weblogs oder der Profilseite entspricht der Kleidung, mit der man vergleichbare soziale Signale sendet. Ein Microblog wie Twitter (eine Art Internet-SMS an alle) oder die Statusmeldung im Social Network entspricht der Mimik und Gestik. Das Profilbildchen entspricht der Frisur (und wird interessanterweise häufig mit ähnlicher Frequenz verändert).
(Quelle: Tagesspiegel.de)
Auf netzpolitik.org wurde die 3. Kurzstudie zum Thema “Politik im Web 2.0″ veröffentlich. Die Ausführliche Fassung findet man hier (PDF / 780 KB), eine Zusammenfassung der Ergebnisse findet man im entsprechenden Artikel.
Untersucht wurde die Präsenz von Parteien, Jugendorganisationen sowie Spitzenpolitikern der Parteien und Jugendorganisationen in den in Deutschland relevantesten Social Networks (StudiVZ, XING, MySpace, Facebook) sowie auf YouTube und Twitter. In der dritten Ausgabe (Dezember 2008/Januar 2009) finden sich erste Tendenzen, welche Plattformen wahlkampfrelevant werden könnten – und welche nicht. Ergänzend wurde die Popularität von Parteien, Politikern und Jugendorganisationen bei den Blogsuchmaschinen Technorati und Google Blogsearch unter die Lupe genommen.
Am kommenden Donnerstag, um 19.30 Uhr, werden Adrien Beaucreux und Thomas Kaltenbach, auf Einladung vom CCCS, in der Stadtbücherei Stuttgart ihren Vortrag “Datenschutz und Web 2.0″ halten. Bei facebook darf man sich gerne schon einmal für den Vortrag anmelden, und sich weiter informieren. Oder hier einfach weiterlesen:
Der Umgang mit persönlichen Daten im Internet gehört zu den Bereichen des Web 2.0, welche am lautstärksten diskutiert werden. Dabei ist aber meist die Provider-Seite im Vordergrund, bei welcher zum einen Internetdienstleistern vorgeworfen wird, dass sie private Daten zur Marktforschung nutzen, zum andern werden die staatlichen “Lauschangriffe” auf Internetdienstleistungen wie E-Mail oder Foren beklagt.
Allerdings scheint bei dieser Problemdiskussion ein Bereich nicht im Blickfeld zu stehen: Der Umgang des Nutzers mit seinen eigenen Daten. Wie Spiegel-Online-Artikel dazu treffend bemerkt, “entblößen sich Nutzer vielfach online in einer Weise, wie man es sich vor kurzem nicht vorstellen konnte.” Oft werden dem Web Informationen und Daten anvertraut, welche man häufig nicht einer breiten Öffentlichkeit zugänglich sehen wollte, seien es private Mail- und Postadressen oder Bilder und Videos vom letzten Samstag Abend, als man mit Freunden in der Disko feiern war. Offensichtlich sind sich Nutzer häufig der Tragweite ihres “öffentlichen Auftritts” nicht bewusst. Wenn man bei dem Bewerbungsgespräch mit dem Verhalten beim letzten Mallorca-Urlaub konfrontiert wird oder in einem erhöhten Maße private Videos über sich auf Internetplattformen wie YouTube findet, ist dies für die Karriere außerhalb des Web 2.0 nicht immer förderlich. Noch kritischer ist die öffentliche Selbstdarstellung, wenn dabei – oft sogar unabsichtlich – die Grenze des Strafrechts überschritten wird.
Im Vortrag wird kritisch hinterleuchtet werden, was es im Umgang mit persönlichen Daten zu beachten gilt. Hierzu wird zuerst auf die unterschiedlichen Medien wie Foren und Communityseiten eingegangen werden, welche für die Verbreitung von persönlichen Daten genutzt werden. Anhand von Beispielen zeigen die Dozenten, was unbedingt vermieden werden sollte, damit man nicht in die Web 2.0-Falle tritt.
Der Eintritt ist im Übrigen frei, doch ich bin mir sicher, dass die Jungs und Mädels vom CCC sich über eine kleine Spende nicht beklagen würden.
Der Sender Phoenix hat vor kurzem einen neuen Blog mit dem Titel MdB2.0 ins Leben gerufen. Dort bloggen Abgeordnete aller Fraktionen gemeinsam unter einem Dach. Namentlich sind das Andreas Scheuer (CDU/CSU), Carsten Schneider (SPD), Florian Toncar (FDP), Michael Leutert (DIE LINKE), und Nicole Maisch (Bündnis 90/Die Grünen).
Absolut unterstützenswert, und auch ab sofort in der Blogroll zu finden: MdB 2.0.
Auf netzpolitik.org ist gestern die zweite Kurzstudie zum Thema “Politik im Web 2.0 in Deutschland” erschienen.
Die zweite Ausgabe der quartalsweise erscheinenden quantitativen Kurzstudie “Politik im Web 2.0″ der Berliner newthinking communications GmbH zeigt es deutlich: der Wahlkampf hat im Internet noch nicht begonnen. Nach wie vor scheuen Spitzenpolitiker das Internet, die Parteizentralen entdecken nur langsam das Potenzial des Mediums für sich.
Kleine Experimente wie der Twitter-Account der Partei “Bündnis ‘90 /Die Grünen” und des SPD-Generalsekretärs Hubertus Heil sind jedoch Indizien für ein wachsendes Interesse. Ein besonderer Fokus der Kurzstudie in ihrer zweiten Ausgabe liegt daher auf dem Mikro-Blogging-Dienst Twitter.
Die Studie zum Direktdownload als PDF gibt es hier.
“Was soll eigentlich dieses Twitter?”, habe ich mich schon vor ein paar Jahren gefragt, als der Dienst noch relativ neu war, und man das erste Mal davon gehört hat. Wurde dann meinerseits abgehakt. Ich war nicht unbedingt der Meinung, dass ich da auch noch mitmachen soll. Vor ein paar Wochen hab ich mich dann trotzdem angemeldet. Warum? Erklär ich gerne:
Zunächst für die Leser, die nicht wissen was Twitter eigentlich ist, eine kurze Erklärung. Twitter ist ein Dienst, mit dem man Kurznachrichten online stellen kann. Die Nachrichten erlauben eine Gesamtlänge von 140 Zeichen. Man kann anderen Nutzern folgen, und die Nutzer können die selbst eingestellten Nachrichten abonnieren. Quasi ein Mini-Blog mit integriertem Feedreader. Natürlich ist die Dichte an sinnbefreitem Alltagsgefasel sehr hoch, aber es gibt immer wieder interessante, und auch lustige Sachen zu entdecken. Zudem hat man die Möglichkeit den Dienst auch abseits des Browsers zu nutzen. Ob per Internet im Handy, Plugin im Instant Messenger, oder einfach per SMS. Die Fülle an Tools ist nahezu unerschöpflich.
Und eben eine dieser tollen Sachen, die man entdecken kann, waren die Tweets, so nennen sich die Kurznachrichten, von Hubertus Heil. Der Generalsekretär der SPD war auf dem Parteitag der Demokraten in Denver zu Gast, und hat per Twitter an seinen Erlebnissen teilhaben lassen. Und das wirklich tolle daran: Er hat selbst geschrieben, und auch selbst geantwortet wenn man eine Frage gestellt hat. Noch gibt es nicht viele Politiker, die sich an diesen neuen Trend hängen. Aber vor allem in Hinblick auf die anstehenden Wahlkampf nächstes Jahr hat sich durch Twitter ein neuer, innovativer, Kommunikationsweg eröffnet, den es zu nutzen gilt.
Das wirklich wichtige, in meinen Augen, ist jedoch, dass die Politik die neuen Medien auch selbst aktiv nutzt. Noch ist es nicht alltäglich, dass Politiker in sozialen Netzwerken wie meinVZ, oder MySpace auffindbar sind. Zumindest in Deutschland. Amerika ist auch hier wieder Vorreiter, und zeigt wo es im Internet langgeht. Auf Dauer, und zum ersten Mal nächstes Jahr, werden die Parteien um einen aktiven Wahlkampf im Internet nicht herumkommen. Eine gute Internetseite gehört ja mittlerweile zum guten Ton. Aber um wirklich viele Menschen erreichen zu können braucht es mehr. Dann gehört da eben der Twitteraccount vom Spitzenkandidat, und der Youtube Channel dazu.
Im übrigen: Wie man es falsch machen kann beweist die FDP gerade in Bayern. Misslungene Werbeplakate, und der falsche Slogan. So schafft man die 4,95% natürlich mit Gewalt.
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