Sehr interessant finde ich, was der werte Herr Nilzenburger da beim Weltfrieden über den Parteitag der Piratenpartei geschrieben hat. Außer Statusmeldungen auf Facebook und Twitter habe ich davon dieses Wochenende leider nicht mitbekommen. Eigentlich hatten mir die Informationen gereicht um einigermaßen den Überblick zu behalten was die Piraten da so treiben. Der Artikel beschreibt das trotzdem alles nochmal ein bischen genauer. Das Fazit ist nicht weniger als vernichtend. Aber lest selbst. Hier ein Ausschnitt:
Machen wir uns nix vor: Die Piratenpartei ist eine Jungspartei. Und ich kann jede Frau verstehen, die einen riesen Bogen um die macht. Da wird sich auf ziemlich tiefem Niveau beschimpft und so getan, als sei das ein demokratischer Prozess. Da spielen Jungs so eine Art Real-Life-WoW, wo man sich eben mit der ganzen Gruppe abstimmen muss. Und das ist jetzt kein hohles Klischee, weil Computer eben DAS Thema der Piraten sind, sondern genau so ist dieser Parteitag rübergekommen. Und wenn du mir nicht zuhörst, dann brüll ich dich eben an.
(Quelle, qlod.org/weltfrieden)
Nachtrag: Was Till zum Thema schreibt ist natürlich auch nicht falsch: Klick. (Danke für den Hinweis, Henning)
Die Piraten manövrieren sich gekonnt ins Aus. Rassismus ist keine Meinung, sondern ein Verbrechen. Liebe enttäuschte Piraten, nehmt euch am René ein Beispiel, und tretet aus der Partei aus. In der SPD haben wir noch Platz für euch. Da werdet ihr gebraucht.
Seit dem großen Hype um die Piraten, die Petition gegen Internetsperren, und dem Absegnen des Gesetzes durch den Bundestag sind mittlerweile auch schon wieder ein paar Monate und Wochen ins Land gezogen. War ich damals doch noch recht euphorisch über den Zuspruch den die Piraten , so bin ich heute zwar nicht skeptisch aber doch sehr gebremst in meiner Haltung. Damit bin ich allerdings nicht alleine. Kritik hagelt es mittlerweile von allen Seiten, mit Sascha Lobo an der Spitze.
Es sind aber nicht die Ziele und Themen die mich grübeln lassen, sondern die Mitglieder selbst. Wie einfach sich das Netz, vor allem Umfragen auf egal welcher Seite oder in welchem Netzwerk, manipulieren lässt beweisen die Mitglieder der Piratenpartei jeden Tag aufs neue. Die Seiten zur Bundestagswahl von Xing, studiVZ sind da wohl nur die Spitze des Eisbergs. Repräsentativ sind diese Ergebnisse nicht. So ein Verhalten kenne ich bisher nur aus diversen Foren. Man eröffnet einen Thread, schreibt rein, dass die User doch bei Umfrage XY doch bitte für einen abstimmen sollen, und zack hat man den ersten Platz. Sicher, die Masse machts. Im gleichen Atemzug tauchen dann die ersten Scripte auf, mit denen sich die Umfragen durch Massenhaftes abstimmen beeinflussen lassen. So funktioniert aber keine Demokratie. Und wählen schon garnicht. Das hat doch etwas sehr diktatorisches, wenn eine kleine Benutzergruppe das Wählen so manipulieren kann. Ein wenig technisches Know-How vorrausgesetzt, welches bei den Piraten sehr sicher vorhanden ist.
Was bleibt ist ein Tweet mit dem #piraten+ Tag, ein kleines Leuchten in den Augen, und zu denken man habe es der Welt da draußen mal so richtig gezeigt. Wow.
Bis jetzt haben die Piraten noch nichts, aber auch gar nichts geleistet, außer im Internet das Maul aufzureißen. In der wirklichen Welt gibt es immer noch Leute, die am 27. September auf den Wahlzettel schauen, “Piratenpartei” lesen und dabei leise kichernd ihr Kreuz bei der CDU machen.
Es reicht schon wenn man zu den einschlägigen Themen die Kommentare in der Blogosphäre durchliest. Von Diskussionskultur und differenzierter Betrachtungsweise keine Spur. Die meisten Mitglieder verhalten sich wie kleine Kinder, sind schnell eingeschnappt und schreiben eigentlich nur Mist. Das bringt niemandem etwas. Als Beispiel will ich hier die Kommentare zum Ludwigsburger Dialog anführen. Anstatt das Projekt gut zu heißen und zu begrüßen, liest man von “Nachmache” und “Copycats”. Das ist mehr als kontraproduktiv. Wenn sich die Piraten doch als so offen und nicht als rechts oder links bezeichnen und, als Schlussfolgerung, ein neues basisdemokratischeres Zeitalter der Politik einläuten wollen, dann darf man doch eigentlich auch mal loben.
Es hilft nicht weiter wenn einzelne Gruppen sich für das einzig Wahre und Richtige halten. Sowas hatten wir schon einmal. (Oh, shi… War das tatsächlich ein Nazivergleich? Au Backe!) Was ich sagen will: Auf den Dialog kommt es an. Jede politische Gruppierung hat natürlich ihre eigenen Ziele, Ideen und Wünsche. Wie so oft gilt aber auch hier: Gemeinsam sind wir stärker. Schnittmengen müssen ausgelotet werden und Kooperation muss auch parteiübergreifend möglich sein. Dass das nicht immer so einfach ist, wie eben beschrieben, weiß ich selbst. Mir ist keine Partei, oder politische Gruppierung, bekannt die diese Probleme nicht hat. Natürlich gibt es auch positive Beispiele, meist auf lokaler Ebene. Von den Piraten wünsche ich mir an dieser Stelle eine bessere, kommunikativere Herangehensweise.
Um die Piratenpartei ist in diesen Tagen vor und nach der Wahl zum Europaparlament viel diskutiert und geschrieben worden. Schlagworte wie “Generation C64″ sind entstanden und es fasziniert mich von Tag zu Tag mehr, wie sehr sich Menschen aus meinem Umfeld zu dem Kreuz bei den Piraten haben hinreißen lassen. Da findet aktuell eine Politisierung einer komplett neuen Generation mit eigenen Wünschen und Erwartungen statt, die die etablierten Parteien nur mit einer Mischung aus Staunen und Unverständnis zurücklässt. Ausgenommen die Grünen. Natürlich geht es hauptsächlich um die Frage wie man mit diesem großen komplizierten Ungetüm namens “Internet” umzugehen hat. Aus der konservativen Ecke kommen nur hirnrissige Vorschläge den deutschen Schilderwald auf das Netz zu übertragen und systematisch wegzuschauen. Die SPD glänzt inhaltlich ebenfalls mit totaler Ahnungslosigkeit und schlingert umher, dass einem schlecht wird. Bei den Liberalen kann man sich nie sicher sein wo die Reise hingehen soll. Als potenzieller Koalitionspartner der CDU würde man auch in diesen Fragen mit Sicherheit schnell einknicken und den Überwachungsstaat vorantreiben. Da mögen die Julis, denen ich da um einiges mehr an Kompetenzen zutraue als der Mutterpartei, soviel Zeter und Mordio schreien wie sie wollen. Die Linke spielt ihre Oppositionsrolle weil sie sie spielen muss und genauso wie die SPD keine wirkliche Ahnung hat. Einzig Jörg Tauss ist mir noch im Gedächtnis, der weiß wo der digitale Hase im Netz seine Cookies liegen lässt.
Nun haben wir das also die Piraten. In Schweden haben die Freibeuter grandiose 7% geholt und bekommen nun mindestens einen Sitz im neuen EU Parlament. Für eine knapp drei Jahre alte Partei ist das mehr als ein Achtungserfolg. Das ist eine schallende Ohrfeige für alle anderen Parteien. Ähnlich, wenn auch milder, formuliert das Christian in einem Artikel bei “Rot steht uns gut”, auf die SPD bezogen:
Die Piratenpartei vereinigt das Unbehagen der Netzbevölkerung gegen Internet-Unwissen in den großen Parteien und bringt es klar zum Ausruck. So unterschiedlich die Piratenpartei-Anhänger auch in ihren sonstigen Ansichten sein mögen, in einem sind sie sich einig: die Regierungsparteien und Minister haben vom Internet keine Ahnung.
Das ist ein Problem für die SPD. Denn die Piratenpartei-Anhänger wären in der SPD gut aufgehoben – als linke Volkspartei stünde es der SPD gut zu Gesicht, würde sie die Bedenken gegen Internetüberwachung und Zensur der Netzgemeinde aufnehmen und nicht einfach plattmachen.
Diese Bewegung die nun in Form der Piratenpartei eine politische Stimme bekommen hat, würde der SPD tatsächlich mehr als gut stehen. Hier muss ein Umdenken stattfinden, dass so schnell wie möglich von statten geht. Lasst die Jungen ans Steuer! Mit Werkzeugen von gestern macht man keine Politik für morgen.
In Karlsruhe gingen am letzten Freitag zirka 300-500 junge Menschen auf die Straße um für ihr Hobby(!) zu demonstrieren. Das muss man sich einmal vorstellen. Da gehen Leute um die 20 auf die Straße und wehren sich weil sie eSport leben, Counterstrike oder Warcraft 3 spielen und ihr Hobby vor dem Staat verteidigen wollen und sich gegen eine mehr als unnötige pauschale kriminalisierung zu wehren. Ganz normale Jungs und Mädels. Vorangegangen war das Verbot des Intel Friday Night Games (IFNG) der ESL in Karlsruhe. Eine der letzten Nachwehen des Amoklaufs von Winnenden? Eher nicht. Von der Demonstration gibt es auch ein recht eindrucksvolles Video. Man sieht sogar die ein oder andere Juso Fahne und Jörg Tauss verliert gegen Ende auch noch ein paar Worte.
(DirektIFNGDemo, via Netzpolitik.org)
Hätte man mir vor ein paar Jahren mal die momentanen Verhältnisse geschildert und erzählt, dass da Gamer wegen einem IFNG auf die Straße gehen, ich hätte ihn ausgelacht. Das ist eigentlich an Absurdität nicht zu überbieten. Noch dazu kommt, dass sich der eSport in Deutschland immer noch nicht in der Form etabliert hat, die ihm eigentlich zustünde. Tag für Tag messen sich hunderttausende Kids in verschiedenen Ligen, wie der ESL, in den unterschiedlichsten Disziplinen, haben einfach Spass am Spiel und dem Wettkampf. Was gestern Fußball war ist heute Counterstrike. Das Prinzip hinter beiden Spielen ist das Gleiche. Frei nach dem Motto “easy to learn, hard to master”. Für die einen ist der FC Barcelona, für die anderen mousesports (sofern die immer noch so gut sind wie zu meinen aktiven Zeiten ;) ), das nonplusultra, selbst spielt man aber in der gleichen Liga wie die Spvgg Hintertupfingen.
Parallel dazu erschien vor kurzem der beste SpOn Artikel aller Zeiten. “Die Generation C64 schlägt zurück”. Christian Stöcker analysiert ziemlich präzise was da gerade mit den aktuell 15 bis 35 jährigen in ihrer politischen Wahrnehmung passiert und wie stark die Kluft zwischen den Regulierenden und den zu regulierenden ist. Die wollen nämlich garnicht reguliert werden. Das haben die Herren und Damen Politiker der ersten Reihe aber nicht verstanden und verstecken ihre Untaten lieber hinter dem Aushängeschild der Kinderpornographie. Das ist in meinen Augen das wirklich verwerfliche daran, mit dem Leid von Kindern für unsinnige und dämliche Politik zu werben. Ganz ehrlich, ich habe Hoffnung bei der momentanen Entwicklung. Es gibt viel Unsinn den es zu bekämpfen gilt. Der Feind sitzt heute nicht mehr hinter einer großen Mauer und heißt Ivan. Wir müssen gewaltig aufpassen. Und weil ich den letzten Absatz dieses wirklich guten Artikels so toll finde, ein letztes Zitat zum Abschluss:
Dass die Unterzeichner der Petition gegen das Filtergesetz es wagen, Vernunft und Bürgerrechte sogar unter dem Risiko, als Päderastenfreunde gebrandmarkt zu werden, zu verteidigen, ist eine Entwicklung, die es eigentlich zu feiern gälte. Hier setzen sich Menschen für sinnvolle Gesetze und demokratische Grundprinzipien ein, teils schamloser öffentlicher Diffamierung zum Trotz. Das passt besser zum 60. Geburtstag des Grundgesetzes als jede Sonntagsrede.
Und es ist für Deutschlands politische Klasse ein Vorgeschmack auf das, was noch kommt: Die digitalen Einheimischen haben begonnen sich einzumischen.
(Quelle, Spiegel Online)
Letzte Kommentare