Golem berichtet heute von einem Vorschlag der nordrhein-westfälischen JU (gestern auch schon bei DerWesten.de), Registrierungen auf Videoplattformen wie Youtube oder MyVideo zu erschweren. Es ist angedacht die Anmeldeprozess zu verschärfen und noch mehr persönliche Daten zu Pflichtangaben zu machen. Nämlich die Personalausweisnummer und die Anschrift. Begründet wird dieser Vorstoß mit dem Vorwand, man wolle Jugendkriminalität erschweren und eindämmen. Golem zitiert den Landesvorsitzenden der Jungen Union, Sven Volmering, wie folgt:
“Rivalisierende Jugendbanden putschen sich mit Hassbotschaften und Gewaltposen im Internet auf, um sich anschließend zu Straftaten zu verabreden”, so Volmering. Besonders in “problematischen Stadtteilen” seien Jugendgangs wieder “angesagt”, was sich in der Kriminalstatistik durch eine Zunahme der Gewaltdelikte durch Jugendliche widerspiegle. Ordnungsbehörden, Jugendämter und Polizei müssten gegen “mediale Gewalt” verstärkt vorgehen. “Einschreiten und abschalten” sei die Forderung der Jungen Union.
(Quelle, Golem.de)
Was eine abstruse Forderung. Wie wäre es denn, anstelle von “Einschreiten und abschalten” mit “Einschreiten und die Jugend von der Straße holen”? Diese Forderung zeigt in diesen Tagen, die wir in 10 Jahren als den Beginn der bundesdeutschen Netzzensur in Erinnerung haben werden, doch sehr deutlich was die Union vom freien Internet, wie wir es bisher kannten, hält. Nämlich garnichts. Die Junge Union in NRW springt da gerade auf den abfahrenden Zug der Zensur und man könnte meinen, dass sich da jemand bei Deutschlands Vorzeigemutti Zensursula von der Laien ins Bettchen kuscheln will.
Nein, liebe JU, das ist ausgemachter Schwachsinn. Euch darf man dann wohl bald als die zweite Generation der Internetausdrucker bezeichnen.
Den Aufreger des Tages hat heute Philipp Mißfelder produziert. Man muss wissen, dass dieser Mann für die CDU im Bundestag sitzt, und gleichzeitig den Bundesvorsitz der Jungen Union inne hat. Auf einer Veranstaltung der CDU in Haltern am See sagte er in einer Rede: “Die Erhöhung von Hartz IV war ein Anschub für die Tabak- und Spirituosenindustrie”.
Fingerspitzengefühl geht anders, Herr Mißfelder! Solche Aussagen zeigen wieder einmal sehr deutlich aus welchem Holz die Union doch eigentlich geschnitzt ist.
Mehr dazu bei DerWesten.de.
Nachtrag: In den vorwärts Blogs empfiehlt Jens Vogel Philipp Mißfelder selbst einmal 3-6 Monate vom ALGII zu leben. Sollte er vielleicht wirklich mal tun. Sonst müssten wir uns nicht so einen Unfug anhören.
In dieser Artikelserie versuche ich einmal die politischen Aktivitäten der Parteijugenden, die in Stuttgart aktiv sind, ein wenig zu durchleuchten. Wer ist im Netz voll dabei, wer hat die Trends verschlafen, und wo gibt es Nachholbedarf? Der Ausgangspunkt meiner Recherchen ist jeweils die offizielle Webseite der jeweiligen Organisation. Der zweite Ansatz findet sich in den sozialen Netzen. Facebook, studiVZ/meinVZ, etc.. Interessant wird auch sein, wer sich mit Twitter auseinandergesetzt hat, und wie dieser neue Kommunikationskanal verstanden und benutzt wird. Bewertet wird das Gesamterscheinungsbild, und wie stark sich die Kreisverbände nach außen hin mit den Ortsvereinen, bzw. Arbeitsgemeinschaften, vernetzt haben.
1. Junge Union
Nach einer kurzen Googlesuche landet man mit dem ersten Treffer schon auf der Seite des Kreisverbandes der JU, under ju-stuttgart.de. Nach dem Flash Intro, ich wusste garnicht, dass sowas noch “in” ist, gelangt man auf die Startseite. Tja, was findet man dort? Als erstes sticht das Foto des im Juli 2008 gewählten Vorstandes ins Auge. Darunter finden sich aktuelle Ankündigungen zu den nächsten Treffen, bzw. Veranstaltungen. Noch weiter unten finden sich Schlagzeilen zu Pressemitteilungen, die man sich dann als PDF herunterladen kann. Von welchem Datum die aktuellste Pressemitteilung auf der Startseite ist, kann man nur am Dateinamen erraten. Anscheinend vom 18.12. Meine Hand ins Feuer legen würde ich dafür allerdings nicht. In der Presse-Rubrik sind die Daten immerhin angegeben, dort ist jedoch die aktuellste aus dem Oktober des vergangenen Jahres.
Es sieht alles sehr bemüht aus bei der JU, kann aber nicht überzeugen. Die Auswahl der Farben mochte vor 7-8 Jahren ja noch modern und schick sein, aber heute reicht das bei weitem nicht mehr. Die Schrift ist zu klein, und macht sich schon an der Bedienbarkeit des Menüs bemerkbar. Ein sehr farbloser erster Eindruck. Die Inhalte selbst sind ebenfalls nicht richtig positioniert, die klare Linie fehlt. Zudem ist es quasi unmöglich mit einem einzigen Klick die Startseite wieder aufzurufen. Wenn man sich einmal hineingeklickt hat, kann man sich nur noch innerhalb der Untermenüs bewegen.
Auf der Suche nach den Inhalten und Standpunkten der JU muss man sich im Netz alles selbst zusammenklauben. Nur über Google bin ich auf die Aktionsseite “24h Stuttgart” der JU gestoßen. Von wann die Seite allerdings ist, und wie aktuell die Forderungen sind, ist nirgends ersichtlich. An Mitmachen ist ebenfalls nicht zu denken. Die Kommunikation der offiziellen Webseiten, auch der Auftritte der Ortsvereine, beschränken sich auf einfache HTML Kontaktformulare. Ende der Neunziger war das noch en Vogue, heute allerdings auf kommunikativer Ebene ein Witz.
Wie sehr die einzelnen Ortsvereine mit ihrem Kreisverband vernetzt sind, lässt sich nur erahnen. Auf der Seite der JU gibt es zwar eine eigene Rubrik, in der die Ortsverbände eine eigene kleine Seite mit kurzen, knappen Infos spendiert bekommen haben. Die meisten haben auch eine eigene Webseite parat, der Link dazu ist allerdings so unscheinbar platziert, dass nicht sofort ins Auge fällt, dass es ein Link ist. Keine Hervorhebung, keine Unterstreichung, einzig und allein der Mauszeiger ändert sich wenn man darüber fährt. Und selbst das habe ich nur per Zufall entdeckt. Gute Werbung für die eigenen Ortsvereine sieht definitiv anders aus.
Schauen wir einmal auf die Partizipation in sozialen Netzen.
Facebook: Eine Suchanfrage nach “Junge Union Stuttgart” führt zu keinerlei Ergebnis. Keine Unterstützerseiten, keine Gruppen. Auch die Anfrage nach Aktivitäten der Mutterpartei in Facebook führen zu keinem Ergebnis. Es werden nur jeweils einzelne Personen gefunden die mit der JU oder der CDU und Stuttgart in Verbindung gebracht werden könnten. Einen offiziellen Auftritt des Stuttgarter Verbandes sucht man hier vergebens.
studiVZ/meinVZ: Hier wurde die gleiche Suchanfrage verwendet, und siehe da: Es existiert immerhin eine Gruppe für die JU’ler in Stuttgart. Positiv anzumerken ist, dass man die Gruppe sofort findet, und der Name wirklich dem entspricht was es ist, und wonach der Großteil der Interessenten suchen würde. Das wird anderswo oft nicht beachtet. Aber auch hier findet sich was zu meckern: Die Beschreibung ist ein wenig notdürftig, und für Interessierte, potenzielle Neumitglieder schlicht und einfach nichtssagend:
Für alle Ju’ler & Anhänger der CDU in Stuttgart:-)
Die Suche bei Wer-kenn-Wen erspare ich ich mir an dieser Stelle, da ich a) keinen Account habe und b) die Rolle dieses Netzwerkes in Städten eine ziemlich geringe Rolle spielt.
Einen Youtube Channel sucht man ebenfalls vergebens. Einzig bei flickr wird man fündig. Dort findet man einige Fotos aus dem Jahr 2005, vom Stammtisch des RPJ (Ring politischer Jugend), im Account von Henning Schürig, der bei den Grünen aktiv ist. Schelm, wer böses denkt!
Als Fazit lässt sich sagen, dass die Stuttgarter JU noch in der Internetsteinzeit feststeckt. Die Kommunikation mit Interessenten findet nur sehr schüchtern über studiVZ/meinVZ statt, sehr wenig Dialog, keine Blogs, keine Partizipation am Web2.0 im Allgemeinen. Angesichts der kommenden Kommunalwahl besteht hier dringender Handlungsbedarf. Auf Ebene der Ortsvereine sieht es allerdings nicht viel besser aus. Es gibt bessere, aber auch schlechtere Webseiten, die ich Rahmen der Recherche gefunden habe. Vom sozialen Web scheint aber auch dort noch niemand was gehört zu haben. Ob sich diesbezüglich noch etwas ändert, bleibt abzuwarten.
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Im nächsten Teil: Die Jusos Stuttgart. Die Artikel dieser Reihe findet man mit dem Tag Netzschau-Stuttgart.
Gestern entdeckt, und heute im Blog. Die beiden Bundesvorsitzenden der Jusos und der Jungen Union, Franziska Drohsel und Philipp Mißfelder, im Gespräch. Arrangiert wurde das Treffen von dem Magazin Cicero. In sieben Teilen legen beide Junpolitiker ihre Meinung zu Themen wie Familie, Glauben, Soziale Gerechtigkeit dar. Das erste Video gleich hier, die restlichen sechs gibt es in der Vollansicht dieses Artikels zu sehen. Oder direkt im Youtube Kanal des Cicero. An dieser Stelle auch danke an Julia Seeliger, die mich via Twitter auf dieses Interview aufmerksam gemacht hat!
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