Die erste Prognose, und auch die letzte Hochrechnung, haben deutlich gemacht, dass die FDP an diesem Wahlabend in Hessen der klare Sieger der Wahl ist. Mit gut 16% der Stimmen wird es also wieder für eine Koalition mit der Union reichen, und somit Roland Koch weitere 5 Jahre als Ministerpräsidenten bescheren. Traurig genug. Die Grünen konnten ebenfalls ordentlich zulegen, müssen sich aber mit dem großen Verlierer dieser Landtagswahl, der SPD, mit der Opposition abfinden. Unter ferner liefen sind die Linken, die es knapp über die 5%-Hürde geschafft haben.
Das ist in der Tat ein sehr trauriges Ergebnis für die Sozialdemokratie, daran soll auch nichts beschönigt werden. Trotzdem bin ich der Meinung, dass das Ergebnis unter anderen Voraussetzungen hätte anders ausfallen können. Kurz nach der Veröffentlichung der ersten Prognose hat Andrea Ypsilanti ihren Rücktritt erklärt, und gleichzeitig Thorsten Schäfer-Gümbel als neuen Landes-, und Fraktionsvorsitzenden vorgeschlagen. Eine Entscheidung die überfällig war. Das sage ich nun nicht, um meinen Genossen in Hessen in den Rücken zu fallen. Meiner Meinung nach, hätte man nach den Querelen um die geplante rot-grüne Koalition, früher ein Zeichen setzen müssen. Auch die Nominierung von TSG war der richtige Schritt, aber nicht radikal genug, und wurde eben vom Wähler nicht mit dem entsprechenden Votum honoriert.
Aber ich entnehme der Wahl heute Abend auch etwas positives. Thorsten Schäfer-Gümbel, und natürlich auch die anderen Parteien in Ansätzen, hat es in der kurzen Zeit geschafft Wahlkampf Internet-tauglich zu machen. Das nun als Revolution zu bezeichnen halte ich für überzogen, aber es ist ein Schritt in die richtige Richtung, und wenn das was für Hessen passiert ist, auf die Bundesrepublik übertragen, und weiter verbessert wird, dann bin ich mehr als zuversichtlich, dass sich die deutschen Parteien im Allgemeinen immer mehr auf eine auf Dialog orientierte Strategie setzen. Das ist nicht nur gut so, sondern auch unabkömmlich, und eine nie da gewesene Chance für die Demokratie in der Bundesrepublik.
Weitere Meinungen:
Hessen hat gewählt – Filterblog
Hessen: wenig Vertrauen in SPD und CDU – Lummaland
Liebe Hessen,
nun habt ihr die Wahl. Eine neue Regierung soll her, um Euer Land regieren. Dass Euer bisheriger Ministerpräsident, der Roland Koch, keine gute Wahl war hat er ja bewiesen. Wollt ihr wirklich die nächsten 5 Jahre mit rückwärts gerichteter Politik leben? Was ist mit eurem Bildungssystem? Wo sind die Investitionen in erneuerbare Energien? Das sind starke und wichtige Themen, die man jetzt anpacken muss. Und nicht erst irgendwann. Lösungen für diese Problematiken finden sich nicht in den Parteiprogrammen der Union. Die findet man woanders. Ihr wisst wo.
So wie bisher darf es einfach nicht weitergehen.
Tut was dagegen.
Koch abwählen.
Bei vorwärts.de darf man sich noch bis Sonntag in diesem Artikel an der Wahlwette beteiligen. Zu gewinnen gibt es natürlich auch was. Hier meine Prognose:
SPD: 31%
CDU: 38%
Grüne: 9%
FDP: 12%
Linkspartei: 4%Begründung:
Das Medientheater nach der letzten Wahl um Andrea Ypsilanti, und den Schaden der daraus entstanden ist, kann auch durch diesen wirklich tollen Wahlkampf von TSG nicht wett gemacht werden. Ich sage das nicht gerne, und es schmerzt, aber in Hessen wird es noch eine Legislaturperiode für den ollen Koch geben.
Am Samstag vormittag gab es, zumindest für Deutschland soweit ich das beurteilen kann, eine kleine Premiere im Internet. Ein Blogger führt mit einem Spitzenkandidaten einer politischen Partei über Twitter ein Interview. Der genaue Wortlaut ist schon in diversen Blogs veröffentlicht worden, und darf dort nachgelesen werden. Aber ich wäre ja kein Blogger wenn ich den Inhalt nicht auch bei mir bereitstellen würde und meinen Senf dazu abgebe, nichwahr.
Nun, für die Leser die davon nichts mitbekommen. Deutschlands A-Super-Duper-Uber-Blogger Robert Basic (basicthinking.de/blog/) hat mit Thorsten Schäfer-Gümbel (SPD) ein Interview mittels Twitter geführt. Einfach so, zwischendurch, während TSG im McDrive vorbeischaute. So einfach ist das. Der genaue Wortlaut des Gesprächs lautete wie folgt:
Das Interview
[...]
@TSG Fertig zum twitterinterinterview mit @robgreen. Sind im auto.@robgreen @tsghessen Hallo, freut mich, dass Sie sich die Zeit genommen haben für ein Interview auf Twitter.
@robgreen @tsghessen eine kleine Bitte vorab: Auf Fragen weder mit einem Ja noch einem Nein auch nicht einem Vielleicht antworten;)@tsghessen legen wir los? Sind im drivethrough mcdonalds
@robgreen @tsghessen bereit?
@robgreen @tsghessen and you use the force luke, hashtag =#tsg@robgreen @tsghessen 1. Viele kennen Twitter nicht, wie würden Sie Twitter einem Mitmenschen erklären?
@robgreen @tsghessen gehen wir zur zweiten Frage, wenn die erste zu schwer ist@tsghessen Die komprimierteste kommunikationsform aller zeiten.
@robgreen @tsghessen, cool next question
@robgreen @tsghessen 2. Wer ist Schäfer-Gümbel in 140 Zeichen, als Mensch und Politiker?
@TSG @RobGreen Mix aus bayrischer lebensfreude und preussischen tugenden.
@robgreen @tsghessen 3. Wie kam es, dass Sie Twitter nutzen? Von PR-Beratern gewzungen worden oder rief Obama an?
@tsghessen Keine agentur. Mein obama heisst @oliverbarracuda der gehoert zur familie.
@robgreen @tsghessen use the force luke, hashtag = #tsg ;)
@robgreen @tsghessen 4. Wäre TSG der beste MP von Hessen, den wir je hatten oder nur Mittelmaß?
@TSG @RobGreen Auf jeden fall besser als der geschaeftsfuehrende. Georg august zinn war der ueberragende mp in hessen. Empfehlung: Googlen
@robgreen @tsghessen 5. Was stört sie an Politikern an meisten? Machtgeilheit? Volksferne? Was ist es?
@TSG @RobGreen inhaltsleeres geschwaetz und fehlende ziele.
@robgreen @tsghessen 6. Werden Sie auch nach der Wahl weiter twittern oder wars das mit der volksnahen Sendung?
@TSG @RobGreen auch als MP in hessen moechte weiter twittern. ich muss halt nur sehen, in welchem umfang das geht.
@robgreen @tsghessen 7. Warum soll man sie wählen? Knapp und knackig, in 140 Zeichen:) Und bitte kein Koch-Vergleich jetzt
@TSG @RobGreen weil es um die chancen und talente von “ottilie” geht. http://tinyurl.com/a4a6a8
@robgreen @tsghessen was ist Ottilie?
@TSG @RobGreen Es ist das maedchen, dass ich jeden abend in meinen reden erwaehne. Ich erklaere an ihrem beispiel unsere bildungspolitik.
@robgreen @tsghessen abschließende Frage: Welche Fragen haben Sie an uns Twitter-Nutzer, nicht nur die in Hessen? Was interessiert Sie?
@robgreen @tsghessen (kleiner Dialoghinweis für after the interview;)@TSG @RobGreen wenn wir twitterinterviews jetzt haeufiger machen, wie koennen wir sie verbessern?
@robgreen @tsghessen und für mich als Wähler stört in den Tweets der häufige Koch-Bezug… you not him… ;)
@robgreen @tsghessen danke sehr für das Interview und wünschte mir, dass sie uns auf Twitter weiterhin erhalten bleiben. Auch so ein Test…@TSG @RobGreen Ich bleib twitter erhalten. Das kann ich zusagen. Was ist ihr neues projekt, wenn Sie das blog verkauft haben?
@robgreen @tsghessen, die Fragen der anderen an Sie zwischendurch würde ich mir wünschen, dass sie beantwortet werden könnten, wäre KLASSE!!!
@robgreen @tsghessen später natürlich:) Wünsche ein angenehes Wochenende!
@robgreen @tsghessen es wird einen PrivatBlogger geben und einen Fachblogger (so wie bei Poliitkern…den Privatmensch und den Publich Mensch:)@TSG @RobGreen Danke fuer das interview. Danke fuers mitlesen. Werde mir jetzt die reaktionen ansehen. Schoenes wochenede
@robgreen @tsghessen wünsche ich Ihnen auch und ich bin stolz auf mich, Sie nicht geduzt zu haben. Gewinne die Wahl = Wunsch, kein Befehl;)
@TSG @RobGreen danke. auf bald.
[Ende: 13:19 Uhr]
(Quelle: basicthinking.de/blog/)
Wenn mir jemand vor 2 Jahren noch erzählt hätte, dass jemand wie TSG kurz vor einer wichtigen Wahl, einen solchen ersten Dialogorientierten Wahlkampf zu führen. Ich hätte ihn für bekloppt gehalten. Aber Thorsten Schäfer-Gümbel ist nur der Wegbereiter in Sachen Wahlkampf im Internet. Ich habe bei der SPD wirklich ein gutes Gefühl für den kommenden Wahlkampf, dass einige Dinge zum ersten Mal in Deutschland als wichtig erachtet werden. Twitter ist hier wirklich das Beste Beispiel. Ein Kommunikationskanal mit WTF-Effekt wird von deutschen Politikern entdeckt. Auf langfristige Sicht werden Trends im Internet zunehmend wichtiger für die Politik. Obama ist ja hierbei immer das große Vorbild. Man sollte aber bedenken, dass sein Onlinewahlkampf immerhin auch 2 Jahre lang in Arbeit war, beziehungsweise sich in dem Zeitraum zu dem entwickelt hat, was er am 4. November 2008 war.
Ob TSG nun von diesem Auftreten im Internet, quasi als Politpionier im deutschen Internet, auch selbst profitieren wird vermag ich nicht zu prophezeien. Wohl aber ist er Wegbereiter und Speerspitze einer ganzen Reihe an Politikern, die sich schon heute selbstbewusst, modern, und zeitgemäß im Internet präsentieren. Und zwar parteiübergreifend. Obwohl die SPD zur Zeit online ein kleines bischen die Nase vorn hat. Unter anderem auch der Relaunch der Seite der Bundes SPD.
Um aber nun die Verknüpfung zu dem Interview wieder herzustellen: Es war inhaltlich okay, und eigentlich kam nicht so viel rüber. Da ist noch viel Luft nach oben. Lobenswert sei an dieser Stelle angemerkt, dass Schäfer-Gümbel im Interview erwähnt hat, er würde Twitter auch nach der Wahl weiternutzen wollen. Das alles begreife ich mehr als Symbol für das wohin sich die Politik in Zukunft bewegt. Mehr Dialog mit den Bürgern, stärkere Vernetzung, und noch transparenteres Handeln. Das wird die Zukunft darstellen. Wer das nicht glauben mag, der hat die Zeichen der Zeit nicht erkannt.
Andere Artikel zum Thema:
TSG will Twitter weiter nutzen bei Christian Soeder
Blogger interviewt hessischen SPD-Spitzenkandidaten live auf Twitter bei Dirk Baranek
Heute ging die erste Videoantwort von Thorsten Schäfer-Gümbel bei Youtube online, in der der Spitzenkandidat der HessenSPD auf die Fragen eingeht, die nach der ersten Videobotschaft eingegangen sind. Der Wahlkampf der Genossen in Hessen ist da nur ein kleiner Vorgeschmack auf das, was uns nächstes Jahr erwarten wird. Ich finde das auf jeden Fall gut, und es ist ein weiterer Schritt in die richtige Richtung bezüglich Online-Wahlkampf.
Die anderen Videos von TSG finden sich im eigenen Youtube Kanal der HessenSPD.
So, oder so ähnlich kann es aussehen, wenn man den Miniplakat Generator der Hessen-Jusos mit eigenen Fotos füttert. Auf die Aktion bin ich via Twitter bei Christian gestoßen. Mit diesen Bildchen kann man dann im Prinzip machen was man will. Als Profilbild macht sich das eigentlich ganz gut finde ich. Das ist gut, das ist neu, das ist witzig, weiter so, Genossen!
Zum Miniplakate selber machen geht es hier entlang. Nicht über Los, und keine 4000€. Ihr kennt das ja.
Robin hat mich auf einen sehr guten Artikel in der Frankfurter Rundschau von Martin Hecht aufmerksam gemacht. Sollte man gelesen haben.
Wenn die Folgen politischen Handelns ans Eingemachte gehen, etwa durch die mögliche Gefährdung von Menschenleben oder die Errichtung eines inhumanen staatlichen Systems, dann ist in der Politik das Gewissen gefragt. Es kann sich unmöglich melden, wenn Abgeordnete ihrer Fraktionsspitze die Gefolgschaft kündigen, weil sie nicht mit der Linkspartei wollen oder dies schlicht für politisch falsch halten.
(Quelle)
War ja klar. Weil sich in Hessen nun niemand auf eine Koalition einigen kann sollen Neuwahlen her. Ist natürlich der einzige Weg, weil gleichzeitig der einfachste. Auf die nächsten 5 Jahre unter Roland Koch, ihr Hessen! Prost!
So lautet die Überschrift der Stellungnahme von Franziska Drohsel, Bundesvorsitzende der Jusos. Habe ich eben per Mail bekommen, und möchte ich Euch nicht vorenthalten:
Die Jusos stehen weiterhin an der Seite von Andrea Ypsilanti und der
hessischen SPD und sind entsetzt über das Verhalten der vier
Abgeordneten. In menschlicher und politischer Hinsicht ist das
Verhalten unverantwortlich. Die Profilierungssucht einzelner
Abgeordnete hat den notwendigen Politikwechsel in Hessen verhindert.
Der fulminante Wahlkampf und das gute Wahlergebnis der hessischen SPD
haben gezeigt, dass der inhaltliche Kurs richtig war. Der Parteitag hat
mit einer übergroßen Mehrheit von 95,3 Prozent den Koalitionsvertrag
unterstützt.Dass sich einzelne Abgeordnete sich nach einem monatelangem
transparenten Meinungsfindungsprozess und diversen Probeabstimmungen
einen Tag vor der geplanten Wahl als Märtyrer feiern lassen wollen, ist
charakterlos und zeigt nur, dass ihre persönlichen Eitelkeiten über der
politischen Verantwortung stehen. Damit haben sie verhindert, Roland
Koch endlich abzulösen.Die Jusos fordern die vier Abgeordneten unmissverständlich auf, sich
über ihre politische Zukunft in der SPD Gedanken zu machen und
gegebenenfalls ihre Landtagsmandate abzugeben.
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