Die aktuelle Kolumne von Thomas Fricke in der Financial Times Deutschland “Das Märchen vom bösen Billiggeld” beschäftigt sich mit der Umverteilungsproblematik der globalen Wirtschaft, und dessen Auswirkungen die wir nun seit einigen Jahren spüren.
Es gibt zwei Ursachen für das Verteilungsproblem. Zum einen führte die Globalisierung dazu, dass sich die Einkommen in den reichen Ländern drücken ließen. Zum Zweiten setzte sich das Dogma durch, dass es keine Obergrenzen für Spitzeneinkommen und Umsatzrenditen in den Unternehmen gibt.
Der erste Teil des Problems könnte sich von selbst abbauen, weil auch in China die Einkommen mittlerweile steigen. Die Lösung des zweiten Teils käme einem wirtschaftspolitischen Paradigmenwechsel gleich, der in den USA bereits in Gang ist. Dort rufen selbst konservative Ökonomen mittlerweile danach, hohe Einkommen progressiv zu besteuern. Nicht aus sozialromantischen, sondern aus ökonomischen Gründen.
Auf Phoenix lief gestern Abend die Sendung “Unter den Linden”, mit Heiner Geißler (CDU), und Prof. Michael Hüther, seines Zeichens Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft. Thema des Abends: “Finanzkrise, Wirtschaftskrise, Systemkrise – Brauchen wir ein neues Gesellschaftsmodell?”
Ich breche ja wirklich nur sehr ungerne eine Lanze für CDU Politiker, aber der Auftritt Geißlers gestern Abend hat mir wirklich gefallen. Okay, man hätte dem Herrn Hüther auch ein kleines süßes Äffchen gegnüber setzen können, es hätte mir eher imponiert als dessen Lobeshymnen auf den Neoliberalismus.
Und dass auch jeder meiner Leser weiß worum es geht, verweise ich an dieser Stelle auf phoenix.de. Dort kann man sich die gestrige Sendung nochmal als Stream nachträglich anschauen.
Spiegel Online ist so nett und hat eine Bilderstrecke online gestellt die den Bankencrash erklärt, dass auch Laien wie ich das irgendwie kapieren und nachvollziehen können.
Diese Frage hat sich Christian gestellt und vergleicht an dieser Stelle Liberale mit Kommunisten und findet tatsächlich einige Gemeinsamkeiten. Ich zitiere:
Beiden Ideologien ist gemeinsam, dass sie auf dem Papier ganz nett klingen. Im Kommunismus ist es der Gemeinschaftsgedanke, der auf den ersten Blick wie eine tolle Idee aussieht, im Liberalismus ist es das Gegenteil davon: wer hat sich nicht schon einmal über eine unsinnige Vorschrift, eine unsinnige Regelung geärgert, wer hat nicht schon einmal über “den Staat” geschimpft?
Beiden Ideologien ist jedoch auch gemeinsam, dass sie nichts mit der Realität zu tun haben. Der Mensch ist ein soziales Wesen, der Staat, der ja nichts weiter ist als die äußere Form eines Zusammenschlusses von Menschen, kann deshalb nicht “der Feind” sein. Er kann jedoch auch nicht die Lösung für alle Probleme sein.
Diesen Denkansatz halte ich für durchaus interessant. Vor allem in Anbetracht dessen, dass eben sowohl der Kommunismus als auch der Liberalismus, in Form freier Marktwirtschaft, versagt haben. Es ist also offensichtlich, dass der Weg in der Mitte liegen muss. Natürlich brauchen wir einen Staat der für uns sorgt, und uns unter die Arme greift wenn wir in Not geraten. Und natürlich wissen wir, dass Planwirtschaft nicht funktioniert. Was letztendlich in einer nahezu unregulierten Marktwirtschaft passieren kann erleben wir heute in der größten Wirtschaftskrise seit 1929. Deshalb ist es notwendig, dass der Staat – bzw. “die Menschen” wie es Christian so treffend formuliert hat – eine überwachende Funktion ausübt.
Die daraus resultierende Reaktion der Liberalen hat der User Christian der II. beim Antibürokratieteam sehr schön auf den Punkt gebracht:
Typisches Zitat aus einer Diskussion mit Kommunisten im Jahr 1992:
: “Nein, das was da in Osteuropa gescheitert ist, war gar kein
: richtiger Kommunismus. Unsere Theorien sind weiterhin richtig.
: ECHTER Kommunismus funktioniert nur bei hundertprozentiger
: Umsetzung richtig, siehe ‘Das Kapital’ von Marx und Engels!”Typisches Zitat aus einer Diskussion mit “Liberalen” im Jahr 2008:
: “Nein, was da gerade an den Börsen zusammenbricht, ist
: alles kein echter liberalisierter Markt gewesen. Unsere
: Theorien sind weiterhin richtig. ECHTER Wirtschaftsliberalismus
: funktioniert nur bei hundertprozentiger Umsetzung richtig,
: siehe ‘The Road to Serfdom’ von Friedrich Hayek.”
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