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Politik

Zum Wahlparteitag der SPD

14.06.09 | Link | 9 Kommentare | Autor: Julian

Vor gut einer Stunde ist der Wahlparteitag der SPD in Berlin zu Ende gegangen. Die Berichterstattung via Livestream und Twitter habe ich mir nun den halben Tag zu Gemüte geführt und zurück bleibt ein sehr zweifelhafter Eindruck was die Partei da heute abgeliefert hat. Nicht nur das Nichtbehandeln des Initiativantrags von Björn Böhning gegen die Internetsperren. Dazu komme ich gleich noch genauer. Es gab keine Diskussionen, keine Kontroversen, es wurde durchgewunken. Das Bemühen Franziska Drohsels um die Einführung der Vermögenssteuer wurde abgeschmettert. Viel Wind um nichts. Der Kanzlerkandidat Steinmeier, den ich auch nach diesem Parteitag immer noch für die bessere Alternative Angela Merkel gegenüber halte, wirft eine gute halbe Stunde mit Worthülsen und Parolen um sich, dann wird “Wenn wir schreiten Seit’ an Seit’” geträllert und mehr als eine Stunde vor Plan war auch schon Schluss. Funktionieren so Parteitage? Was soll das? Froh bin ich aber darüber, dass ich mit meiner Meinung über das Gesehene nicht alleine dastehe.

Das einstimmig verabschiedete Wahlprogramm lässt sich für mich trotz allem in weiten Teilen mittragen. Viel mehr schmerzt mich aber die Tatsache, dass hier und heute die Wünsche, Ängste und Bedürfnisse einer ganzen Generation einfach unter den Tisch fallen gelassen wurden. Damit meine ich ganz klar den Umgang mit dem Antrag Boehnings. Erst in irgendein Gremium abschieben, und nicht einmal offiziell Stellung dazu nehmen. Scheint aber auch die alten Medien, hier im besonderen Phoenix, nicht weiter zu interessieren. Das ärgert mich maßlos. Da scheint der Kommentar von Jörg Tauss bei Twitter mehr als ehrlich. Die SPD verspielt sich da gerade mehr als leichtsinnig Kredit bei einer Generation auf die sie eigentlich angewiesen ist. Einige Tweets sind mir aufgefallen die ich an dieser Stelle noch gerne erwähnen will:

Wonderfish: War ja klar. SPD drückt sich vor Zensurabstimmung. So bekommt Ihr meine Stimme nicht! #bpt #zensursula

Askowronek: RT @presseschauer @sixtus … So wie die #Sozen die Zukunft ignorieren, wird die Zukunft die Sozen ignorieren #spd #bpt09 #zensursula

Ich behaupte, hätte sich die SPD dem Thema um die Internetsperren wirklich angenommen und mit dem Spruch “Löschen statt Sperren” klar positioniert, die Diskussion um die Piratenpartei hätte einen ordentlichen Dämpfer bekommen. Nun aber wurde der Antrag ziemlich weichgespült und es kam nicht einmal zur öffentlichen Diskussion. Dabei wäre es dringend an der zeit gewesen hier die so oft propagierte “klare Kante” gegen die CDU zu zeigen und sich für Bürgerrechte einzusetzen. Das wurde aber nicht gemacht und ließ, nicht nur deshalb, die heutige Parteishow zur Farce verkommen. Till Westermayer hat da schon Recht, wenn er schreibt:

Inzwischen liegt ein Beschluss des SPD-Parteivorstandes vor,der im Prinzip nichts weiter noch einmal aufschreibt als die Haltung der SPD-Bundestagsfraktion: rhetorische Zugeständnisse, aber keine Abkehr vom Prinzip Aufbau einer Zensurinfrastruktur für das Internet.

Ich weiss nicht, wie das bei der SPD abläuft, nehme aber an, dass der Böhning-Antrag damit aus dem Rennen ist. Morgen abend wissen wir mehr. Schon jetzt ist aber klar: wer eine etablierte Partei wählen oder unterstützen möchte, für die eine sinnvolle Internetpolitik inzwischen klar zum Selbstverständnis gehört, ist bei den Grünen deutlich besser aufgehoben als bei der SPD.

Es tut mir wirklich weh das alles feststellen und schreiben zu müssen. Dafür soll ich auf die Straße gehen und Wahlkampf machen?

Nachtrag: Anscheinend wurde da wirklich die Wortmeldung von Björn Böhning zum “Löschen statt Sperren” Antrag ignoriert. Dazu habe ich eben in Facebook eine Rückmeldung von Jan Mönikes erhalten. Unfassbar.

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