Die Frage hat mich heute auf dem Heimweg beschäftigt. Vor allem deshalb weil mich Igor, Vorsitzender der Jusos Stuttgart, vor kurzem erst darauf angesprochen hat. Wie ich das denn so sähe, ich sei ja noch recht frisch dabei. Ziel soll ja sein jungen Menschen zu vermitteln, dass politisches Engagement Spaß macht, und man was erreichen kann. Aber auf die Art und Weise kommt es an. Mit langatmigen Diskussionen um die Leiden der Welt kommt man, meiner Meinung nach, nicht weiter. Sowas schreckt sehr viele einfach ab. Ich halte politisches Engagement in jungen Jahren für außerordentlich wichtig – und beiße mir dabei selbst in den Hintern, dass ich den Schritt nicht schon sehr viel eher getan habe.
Einen sehr interessanten Denkansatz hat uns da Luisa am letzten Wochenende beim Wahlkampfseminar gegeben. In ihrem Vortrag über die Werbekampagne der Jusos Denzlingen kamen einige gute Ideen vor, die sich so manche AG und mancher Kreisverband zu Herzen nehmen sollten. Die Grundaussage kann man ziemlich einfach zusammen fassen: Präsenz zeigen. Egal wie. Der Erfolg kommt ganz von alleine. Da gibt die Statistik den Genossen aus Denzlingen absolut recht. Aber wichtig ist auch hierbei die Leute die man anspricht nicht mit Standardfloskeln abzuschrecken, sondern ehrlich und authentisch zu sein. Der Rest ergibt sich ganz von alleine. Präsenz kann alles sein: vor Ort auf Festen oder Parties, online, in der Zeitung, im Radio, Fernsehen wird vielleicht ein wenig schwierig, aber zu schaffen ist das allemal.
Für die SPD und die Jusos mag das zur Zeit aufgrund der Vorkommnisse in Hessen, und der Geschichte um Kurt Beck schwierig sein. Aber genau deshalb muss man den Menschen zeigen, dass es vor Ort anders ist, und nicht den Kopf in den Sand stecken. Ich halte es auch für unnötig junge Menschen, die schon den Wunsch in sich tragen sich zu engagieren und politisch interessiert sind, bei der erstbesten Konfrontation Parteiprogramme um die Ohren zu schlagen. Das überfordert viele und ist der Sache nicht wirklich dienlich. Diejenigen die ohnehin schon ein sehr breit gefächertes Wissen und Interesse mitbringen werden sich auch bei Versammlungen und deren Diskussionen verstecken.
Mir geht es da speziell um die Klientel, die vielleicht kein Abitur gemacht hat, und auch kein Studium angefangen hat. Was mir in den letzten Monaten und auch teilweise Jahren aufgefallen ist, dass das politische Interesse junger Leute mit dem Bildungsgrad rapide abnimmt. Dazu muss erwähnt werden, dass ich da nur Erfahrung mit 2 Kreisverbänden der Jusos gemacht habe, und hier überwiegt ganz klar der Anteil der Studierenden. Das ist ein Zustand den man nicht hinnehmen darf. Daran muss gearbeitet werden. Wie die Situation bei den anderen Jugendorganisationen aussieht weiß ich nicht. Da wissen vielleicht Henning oder Jan mehr, ob es bei der Grünen Jugend oder den Julis ähnlich aussieht.
Schlagwörter:Grüne Jugend, JuLis, Jusos
Töffte!
Für viele, wie du es bezeichnest “Nichtabiturler”, hat der Eindruck der Politik im direkten Umfeld leider das Bild der ungeliebten Verwandschaft die zu Geburtstagen und sonstigen Festivitäten kommt um sich vollzustopfen aber dann den Rest des Jahres nicht zu sehen / zu hören ist.
So ähnlich läuft es doch bundesweit mit der Vielzahl unserer politischen Vertreter. Zum Wahlkampf wird jeder Laternenmast zugepflastert und danach hört man wieder nix.
Präsenz zeigen muss auf jeden Fall der erste Schritt sein und ich meine das nicht im Sinne von Stammtischen sondern zum Beispiel Ausflügen bei denen man erstmal auf nen lockeren Schwatz mit den Teilnehmern kommt.
Nein, sieht leider wirklich nicht bedeutend anders aus. Gut, in meinem Kreisverband der Jungen Liberalen sind mittlerweile die meisten noch Schüler, aber aufs Gymnasium gehen alle, soweit ich weiß. Ich bilde da mit meinem Realschulabschluss ziemlich die Ausnahme, aber Student bin ich ja trotzdem.
Daran etwas zu ändern ist leider auch nicht ganz leicht. Ich habe zwar privat sehr viel mehr Freunde ohne Abitur als mit und die meisten davon sind politisch durchaus interessiert. Aber eben nur auf normalem Niveau und das genügt offensichtlich nicht für ein Engagement, sondern nur für ständige interessante Diskussionen zum Beispiel mit mir, aus denen ich dann allerdings immerhin Impulse mitnehmen kann.
Die Frage in deiner Überschrift hats natürlich in sich. Mein Kreisverband wächst zwar grade vergleichsweise rapide, alleine morgen werden wohl schonwieder zwei neue Interessenten an unserem Treffen teilnehmen. Aber ich selbst, beziehungsweise mein KV tragen dafür eigentlich keinerlei Verantwortung, der eine ist einfach nur der Bruder eines anderen und die andere eine Freundin anderer Mitglieder. Die politische Begeisterung ist dort also irgendwie anders, vielleicht durch die betreffenden “Werbemitglieder” entstanden aber das ist ja nichts, was sich wirklich planen lässt.
Was man machen kann, ist offen für alle zu sein. Ich nehme an, dass wird auch bei euch nicht anders sein: Wer Lust hat, darf kommen, egal ob er die eigene Partei nun toll findet oder nicht, man gibt sich betont offen. Aber das reißt ja auch keinen vom Hocker, bei uns jedenfalls ist bisher noch niemand deswegen einfach mal dazugestoßen.
Derzeit beschränken sich unsere Mitgliederwerbeaktionen auf die ohnehin anfallende Pressearbeit, Websites, Mund-zu-Mund und am erfolgreichsten über die Websites des Landes- und Bundesverbandes sowie alles, was die FDP so tut. Eventuell werden wir uns demnächst nochmal mit der aktuellen Mitgliederkampagne des Landesverbandes ins Zeug legen, vielleicht bringt das auch noch was.
Ich glaube, das Beste, was wir tun können ist, den jungen Leuten zu zeigen, dass es uns gibt. Denn schon das wissen viele ja gar nicht. Und es ist ja eigentlich eine tolle Sache, wie man sich in politischen Jugendorganisationen engagieren kann, ohne gleich Mitglied einer Partei sein zu müssen.
Noch ne Ergänzung zu Stefan:
Bist du sicher, dass die Menschen, die so empfinden, dass man von der Politik nur zu Wahlkampfzeiten hört, es wirklich anders wollen?
Denn natürlich sieht die Realität komplett anders aus. Alle Parteien machen doch andauernd irgendwelche Veranstaltungen, zu denen man kommen kann. Jeder Ortsverband jeder Partei trifft sich regelmäßig, wo man hingehen und reden kann.
Für mich ist ziemlich offensichtlich, dass uninteressierte einfach in Ruhe gelassen werden wollen. Wäre es anders, müsste man nicht Millionen in die Wahlkämpfe stecken, um ein paar dieser Menschen auch noch zu erreichen – denn für die wirklich interessierten braucht man keine Fähnchen aufhängen oder Plakate hinstellen, die gucken von selbst mal, wer zur Wahl steht und was der so will.
Und wieso es bei einem Ausflug lockerer zugehen sollte als bei einem Stammtisch oder eben dem privaten Kontakt, ist mir auch nicht klar. Ich habe da andere Erfahrungen gemacht.