Diese Frage hat sich Christian gestellt und vergleicht an dieser Stelle Liberale mit Kommunisten und findet tatsächlich einige Gemeinsamkeiten. Ich zitiere:
Beiden Ideologien ist gemeinsam, dass sie auf dem Papier ganz nett klingen. Im Kommunismus ist es der Gemeinschaftsgedanke, der auf den ersten Blick wie eine tolle Idee aussieht, im Liberalismus ist es das Gegenteil davon: wer hat sich nicht schon einmal über eine unsinnige Vorschrift, eine unsinnige Regelung geärgert, wer hat nicht schon einmal über “den Staat” geschimpft?
Beiden Ideologien ist jedoch auch gemeinsam, dass sie nichts mit der Realität zu tun haben. Der Mensch ist ein soziales Wesen, der Staat, der ja nichts weiter ist als die äußere Form eines Zusammenschlusses von Menschen, kann deshalb nicht “der Feind” sein. Er kann jedoch auch nicht die Lösung für alle Probleme sein.
Diesen Denkansatz halte ich für durchaus interessant. Vor allem in Anbetracht dessen, dass eben sowohl der Kommunismus als auch der Liberalismus, in Form freier Marktwirtschaft, versagt haben. Es ist also offensichtlich, dass der Weg in der Mitte liegen muss. Natürlich brauchen wir einen Staat der für uns sorgt, und uns unter die Arme greift wenn wir in Not geraten. Und natürlich wissen wir, dass Planwirtschaft nicht funktioniert. Was letztendlich in einer nahezu unregulierten Marktwirtschaft passieren kann erleben wir heute in der größten Wirtschaftskrise seit 1929. Deshalb ist es notwendig, dass der Staat – bzw. “die Menschen” wie es Christian so treffend formuliert hat – eine überwachende Funktion ausübt.
Die daraus resultierende Reaktion der Liberalen hat der User Christian der II. beim Antibürokratieteam sehr schön auf den Punkt gebracht:
Schlagwörter:Bankenkrise, Kommunismus, LiberalismusTypisches Zitat aus einer Diskussion mit Kommunisten im Jahr 1992:
: “Nein, das was da in Osteuropa gescheitert ist, war gar kein
: richtiger Kommunismus. Unsere Theorien sind weiterhin richtig.
: ECHTER Kommunismus funktioniert nur bei hundertprozentiger
: Umsetzung richtig, siehe ‘Das Kapital’ von Marx und Engels!”Typisches Zitat aus einer Diskussion mit “Liberalen” im Jahr 2008:
: “Nein, was da gerade an den Börsen zusammenbricht, ist
: alles kein echter liberalisierter Markt gewesen. Unsere
: Theorien sind weiterhin richtig. ECHTER Wirtschaftsliberalismus
: funktioniert nur bei hundertprozentiger Umsetzung richtig,
: siehe ‘The Road to Serfdom’ von Friedrich Hayek.”
Töffte!
“Der Mensch ist ein soziales Wesen”
Ich lach mich tot.
Liberalismus bzw. Kapitalismus ist das einzige System das längerfristig funktionieren kann, eben weil es dem Wesen des Menschen am nächsten kommt!
Den Staat brauchen wir eigentlich nur als legitimer Besitzer des Machtmonopols, da das Wesen des Menschen bis zum äußersten getrieben sonst für unhaltbare Zustände sorgen würde.
Wäre der Mensch ein so soziales Wesen würdes wir der Theorie nach ohne Staat, ohne Gewaltmonopol in einer Rosa Kuschelwelt leben…
Wenn man argumentieren möchte, dass Marktwirtschaft gescheitert sei (Ich vermute mal, dass das auf die Bankenkrise gemünzt sein soll), so sollte darauf hingewiesen werden, dass die Banken ihre ungedeckten Kredite verteilt haben, WEIL sie wussten, dass der Staat / die Staaten bei einem Platzen der Blase einspringen würden. Unter Marktbedingungen, in denen man auch scheitern kann hätte man konservativer mit Geldvergabe umgehen müssen.
Wenn man argumentieren möchte, dass Marktwirtschaft gescheitert sei
Möchte man nicht. Ich jedenfalls nicht. Oder wo liest Du das aus meinem Mini-Artikel heraus?
Wo die Martwirtschaft gescheitert sein soll würde mich auch mal interessieren.
Hat sich nicht die SPD auch mal als liberale Partei betrachtet? Für meinen Geschmack liest man viel zu viel darüber, dass sich Markt und Soziales nicht vertragen würden. Das ist schlicht Unsinn.
Und man kanns ja drehen und wenden wie man will aber die Freiheit des (Finanz-)Marktes hört doch schon damit auf, dass der Staat den Wert der Währung nach Gutdünken regelt und eben nicht der Markt.
Sozialdemokraten wussten immer, dass erst erwirtschaftet werden muss, was (um)verteilt werden soll. Im Godesberger Programm 1959 bekannte man sich eindeutig zum Markt:
“Deshalb bejaht die Sozialdemokratische Partei den freien Markt, wo immer wirklich Wettbewerb herrscht. Wo aber Märkte unter die Vorherrschaft von einzelnen oder von Gruppen geraten, bedarf es vielfältiger Maßnahmen, um die Freiheit in der Wirtschaft zu erhalten. Wettbewerb soweit wie möglich Planung soweit wie nötig!”
Aber eben nicht zum Marktradikalismus. Setzt mal Eure ideologischen Scheuklappen ab und informiert Euch ein wenig, ich mach’s ja auch.
Gut zu lesen ist übrigens Sigmar Gabriels neues streitlustiges Buch “Links neu denken. Politik für die Mehrheit”, kann ich sehr empfehlen. Bin ungefähr bei der Hälfte.
Und was meinste, könnte man von der heutigen SPD ein ähnlich klares Bekenntnis zum Markt in einem Wahl- oder Grundsatzprogramm noch erwarten? Ich habe meine Zweifel.
Das hat auch nix mit ideologischen Scheuklappen zu tun, die ständig unterstellen willst. Das Vertrauen in den Markt ist in Deutschland ausgesprochen schlecht entwickelt und dem tragen unsere Regierungen natürlich nur zu gerne Rechnung, weils ständig auf noch mehr Macht für den Staat hinausläuft. Das Problem ist eher gesellschaftlicher als politischer Natur.
Der zitierte Teil des Godesberger Programms ist ja im Übrigen auch wieder wunderbar interpretierbar. Wieviel Planung gegenüber Marktwirtschaft “nötig” ist, darüber kann man wahrscheinlich ewig diskutieren. Ist es z.B. wirklich “nötig”, nur eine Eisenbahn zu haben und die staatlich zu planen? Oder findet mans nicht doch einfach nur geil, mehr planerische Macht zu haben?
Mir fällt auch auf, dass der Gedanke der Bedürftigkeit von beiden Ideologien nicht beachtet wird. Der Kommunismus will jedem gleich viel geben und der Marktradikalismus ebenso jedem gleich viel, nämlich nichts. Die soziale Marktwirtschaft dagegen, geprägt durch den Solidaritätsgedanken und den Stolz, eine Arbeit zu haben, hilft nur denen, die es nötig haben. Die soziale Marktwirtschaft gewährleistet, dass jeder an allem teilhaben kann. Der Kommunismus lässt zwar jeden teilhaben, schränkt aber die Möglichkeiten ein. Der Marktradikalismus bietet zwar viele Möglichkeiten, von denen aber hauptsächlich die Reichen profitieren, die Armen bleiben auf der Strecke. Außerdem dezimieren sich die Möglichkeiten auf einem unregulierten Markt innerhalb kürzester Zeit und es braucht Jahre, um diese Möglichkeiten wieder aufzubauen.
Den flammenden Anhängern der freien Marktwirtschaft will ich sagen: Nur wer Geld hat oder gut darin ist, Geld zu verdienen, kann die freie Marktwirtschaft befürworten.
In der DDR gab es keine schlimme Armut, in den USA gibt es sie dagegen. Beim Überleben hört die Freiheit auf. Ich denke, dass jeder, der kein Geld hat und fast stirbt, sich wenig darum schert, ob er seine Meinung sagen darf.
“dem Wesen des Menschen”
Bei solchem metaphysischen Okkult-Gequatsche wird es mir als weltfremdem (weil ja utopisch und so, ne!?) “Kommunisten” so richtig warm um’s Herzerl. Der Kapitalismus entspricht also der “Natur des Menschen”. Aha! Welchem Märchenbuch kann man solche Weisheiten entnehmen? BGB? Der Financial Times? Oder gab’s da ne’n Bericht bei Galileo Mysteries drüber?
Hmm hier werden wohl Liberale mit Libertären verwechselt.
Echte Liberale sehen den Staat nicht als Feind an, sie sehen nur seine Kernkompetenzen in Sicherung und Durchsetzung von Recht und Eigentum. Aus Wirtschaft und persönlichen Freiheiten soll er sich raushalten. Das heißt jedoch nicht dass der Staat nicht wirtschaftliche Regeln vorgeben soll (Kartellrecht, Monopolstellungen etc. sind Liberalen sehr wichtig.) Der Staat soll die Rolle eines Schiedsrichters in der Wirtschaft einnehmen, nicht eines Mitspielers.