Seit dem großen Hype um die Piraten, die Petition gegen Internetsperren, und dem Absegnen des Gesetzes durch den Bundestag sind mittlerweile auch schon wieder ein paar Monate und Wochen ins Land gezogen. War ich damals doch noch recht euphorisch über den Zuspruch den die Piraten , so bin ich heute zwar nicht skeptisch aber doch sehr gebremst in meiner Haltung. Damit bin ich allerdings nicht alleine. Kritik hagelt es mittlerweile von allen Seiten, mit Sascha Lobo an der Spitze.
Es sind aber nicht die Ziele und Themen die mich grübeln lassen, sondern die Mitglieder selbst. Wie einfach sich das Netz, vor allem Umfragen auf egal welcher Seite oder in welchem Netzwerk, manipulieren lässt beweisen die Mitglieder der Piratenpartei jeden Tag aufs neue. Die Seiten zur Bundestagswahl von Xing, studiVZ sind da wohl nur die Spitze des Eisbergs. Repräsentativ sind diese Ergebnisse nicht. So ein Verhalten kenne ich bisher nur aus diversen Foren. Man eröffnet einen Thread, schreibt rein, dass die User doch bei Umfrage XY doch bitte für einen abstimmen sollen, und zack hat man den ersten Platz. Sicher, die Masse machts. Im gleichen Atemzug tauchen dann die ersten Scripte auf, mit denen sich die Umfragen durch Massenhaftes abstimmen beeinflussen lassen. So funktioniert aber keine Demokratie. Und wählen schon garnicht. Das hat doch etwas sehr diktatorisches, wenn eine kleine Benutzergruppe das Wählen so manipulieren kann. Ein wenig technisches Know-How vorrausgesetzt, welches bei den Piraten sehr sicher vorhanden ist.
Was bleibt ist ein Tweet mit dem #piraten+ Tag, ein kleines Leuchten in den Augen, und zu denken man habe es der Welt da draußen mal so richtig gezeigt. Wow.
Bis jetzt haben die Piraten noch nichts, aber auch gar nichts geleistet, außer im Internet das Maul aufzureißen. In der wirklichen Welt gibt es immer noch Leute, die am 27. September auf den Wahlzettel schauen, “Piratenpartei” lesen und dabei leise kichernd ihr Kreuz bei der CDU machen.
Es reicht schon wenn man zu den einschlägigen Themen die Kommentare in der Blogosphäre durchliest. Von Diskussionskultur und differenzierter Betrachtungsweise keine Spur. Die meisten Mitglieder verhalten sich wie kleine Kinder, sind schnell eingeschnappt und schreiben eigentlich nur Mist. Das bringt niemandem etwas. Als Beispiel will ich hier die Kommentare zum Ludwigsburger Dialog anführen. Anstatt das Projekt gut zu heißen und zu begrüßen, liest man von “Nachmache” und “Copycats”. Das ist mehr als kontraproduktiv. Wenn sich die Piraten doch als so offen und nicht als rechts oder links bezeichnen und, als Schlussfolgerung, ein neues basisdemokratischeres Zeitalter der Politik einläuten wollen, dann darf man doch eigentlich auch mal loben.
Es hilft nicht weiter wenn einzelne Gruppen sich für das einzig Wahre und Richtige halten. Sowas hatten wir schon einmal. (Oh, shi… War das tatsächlich ein Nazivergleich? Au Backe!) Was ich sagen will: Auf den Dialog kommt es an. Jede politische Gruppierung hat natürlich ihre eigenen Ziele, Ideen und Wünsche. Wie so oft gilt aber auch hier: Gemeinsam sind wir stärker. Schnittmengen müssen ausgelotet werden und Kooperation muss auch parteiübergreifend möglich sein. Dass das nicht immer so einfach ist, wie eben beschrieben, weiß ich selbst. Mir ist keine Partei, oder politische Gruppierung, bekannt die diese Probleme nicht hat. Natürlich gibt es auch positive Beispiele, meist auf lokaler Ebene. Von den Piraten wünsche ich mir an dieser Stelle eine bessere, kommunikativere Herangehensweise.
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Töffte!
Die gesamte Piratenpartei an irgendwelchen Blog kommentaren zu messen und dabei sämtlichen anderen gute aktionen zu ignorieren ist schon ziemlich engstirnig. Aber ich gebe dir recht das oftmals mehr tiefe angebracht wäre. Aber es ist halt nunmal wahlkampf und viele sind sehr euphorisch, das legt sich wieder spätestens nach der wahl :)
Die Kommentare in den Blogs spiegeln doch eigentlich relativ gut wieder was die Basis, bzw. der Durchschnitts-Pirat, für eine Meinung hat.
Egal ob Wahlkampf oder nicht. Die Piraten wollen ernst genommen werden. Und dazu fehlt noch einiges. ;-)
Hi…
1.1.2006 Gründung in Schweden heute 50.000 aktive Mitglieder bei 9,11 Mio Einwohner…d.h. nach dem Wahlpush haben wir 450.000 aktive Mitglieder…mit dem höchsten Anteil an Studierten von allen Partein…
Und wir haben liquid democracy und ihr versteht noch nicht mal das Prinzip ;)
Der Artikel ist schon sehr engstirnig wie meine Vorredner schon bemerkten.
Gerade die Ergebnisse der Netz-Wahlumfragen beweisen wunderbar, wie wenig repräsentativ diese sind. Das liegt zum Einen am Wählerkreis, zum andern aber auch am naiven Umgang mit dem “Wahlsystem”. Irgendwelche Klickzähler zusammestricken kann “Jeder”. Das undurchdachte Wahlmethoden manipuliert werden können, beweist der CCC zum Beispiel seit Jahren. Da braucht es keine Piratenpartei… Allerdings ist es leichter für die “Etablierten” gegen einen gemeinsamen Feind zu schießen, als einen wahrscheinlichen Koalitionspartner anzugreifen oder gar das eigene Programm in Frage zu stellen.
Die Piratern werden früher oder später wieder in der Bedeutungslosigkeit versinken. Spätestens wenn unsere Generation DotCom mal das Establishment darstellt. Dann gibt es kaum mehr dumme Netz-Gesetze und sie werden in den anderen Parteien aufgehen. So wie die Grünen, die jetzt sehr hart damit zu kämpfen haben, dass alle Parteien (ausser der Linken) eingesehen haben, dass wir auf unseren Planeten aufpassen müssen.
@aphex3k: Genau das habe ich doch im letzten Absatz versucht zu erläutern. Mehr miteinander, anstatt gegeneinander. Und wieso engstirnig? Deine Argumentation will sich mir da noch nicht so richtig erschließen.
@+++Tom+++: Viel Erfolg!
@S. Siegle: Naja, so einfach wird das glaube ich nicht werden. Gegen “dumme Netzgesetze” wird man auch in 20 Jahren noch kämpfen müssen. Hardliner wird es immer geben, die man bremsen muss.