Hat der Bürger nicht nur Rechte sondern auch Pflichten gegenüber dem Gemeinwohl?
Hat die Verweigerung zu wählen nicht eher mit einem Verhaltens-Beliebigkeitswahn und Verantwortungslosigkeit zu tun?
Wir haben die Freiheit zu wählen. Dafür haben unsere Vorfahren im letzten Jahrhundert zu Tausenden gekämpft – und heute dürfen wir hier ohne militärische Begleitung frei wählen.
Wir dürfen uns auch frei informieren, damit wir informiert frei wählen können.
Bei Forderungen an den Staat ist der Bürger schnell zur Stelle – aber umgekehrt – wenn das Gemeinwesen eine Forderung an den Bürger hat, dann ist der Bürger schnell auf dem Sofa, um dort zeternd in vielen Fällen zu verharren…..
Haben wir als Bürger nicht nur Rechte sondern auch Pflichten? Und gehört nicht das “Wählen-Gehen” zu einer demokratischen Pflicht?
Töffte!
Ich frage mich immer, ob die belgische Lösung dieses Problems unserer nicht überlegen ist. Dort herrscht Wahlpflicht – aber man muss nicht etwa eine der Möglichkeiten wählen, sondern man kann seinen Stimmzettel auch ungültig machen. Es besteht also immer noch die Möglichkeit der Verweigerung, aber diese muss eine bewusste Entscheidung sein; die Faulheit der “Couch Potatoes” wird ausgeschaltet und eine gewisse Beschäftigung mit der Frage, wen man wählen soll, erzwungen.
Um die Schlussfrage zu beantworten: Ja, eindeutig. Zu diesem Thema habe ich heute im Flieger erst eine sehr interessante Stelle in dem neuen Buch von Altkanzler Schmidt entdeckt. Ich blogge darüber noch ausführlich, nehme aber gerne die Kernaussage schon vorraus:
Die Deutschen müssen Demokratie erst noch lernen. Und dass in einer Demokratie nicht nur Recht existieren, sondern eben auch Pflichten, scheint sich noch nicht zu 100% herumgesprochen zu haben ;)
Aber kann das nicht sein, dass wir diese Diskussion nicht erst vor ein paar Tagen geführt haben, werter Herr Vater? Ich glaube wir sind da zu einem ähnlichen Schluss gekommen.
Eine schöne Frage, die man allzu gerne und schnell mit einem donnernden und klaren JA beantworten möchte!
Nur stellt sich dann doch eher die Frage WARUM gehen die Menschen nicht wählen. Was veranlasst ein Teil des Wahlvolkes mit totalem Desinteresse diesen Ereignissen zu begegnen?
Ich würde nicht sagen, dass die Deutschen Demokratie lernen müssen, ich würde eher sagen die Deutsche oder lieber ein Teil der Deutschen hat innerlich mit der Politik abgeschlossen.
Für sie ist es egal ob rot-schwarz-gelb-grün-organge-purpur-braun-ec… regiert.
Es ist eher der Ausdruck einer Politikverdrossenheit denn wirklicher Mangel an demokratischen Grundverständis bzw. Verantwortungsgefühl.
Und mal Hand aufs Herz wo steht geschrieben datt ich eine Pflicht zur Wahl habe? Gerade in einer Demokratie habe ich die WAHL zu entscheiden WEN ich wähle und was noch toller ist OB ich überhaupt wähle, diese Möglichkeit bzw Freiheit ist auch ein Teil der WAHLFREIHEIT.
Ich bin sicherlich kein Freund des Nichtwählers, aber ich kann die Menschen durchaus verstehen, die keine Lust mehr auf diese Schmierenkomödianten haben, die sich dann Minister-Kanzler-Abgeordnete nennen.
Und dort muss angesetzt werden. Politik muss wieder verständlich werden, es muss deutlich werden WER für WAS steht.
Sollte datt gelingen werden die Menschen eher bereit sein ihr Wahlrecht aktiv auszuüben, wenn man datt Wahlvolk aber weiterhin so “verarscht” und nicht ernst nimmt brauch man sich nicht wundern, wenn sie sich entscheiden NICHT wählen zu gehen.
Jammern werden sie am Ende zwar trotzdem, aber so ist der Mensch man kann es ihm einfach nicht recht machen :D
mfg
Wir brauchen keine Wahlpflicht. Wem es den “Aufwand” nicht wert ist, sich Briefwahlunterlagen zu besorgen oder in den 10 Stunden, die Wahllokale geöffnet sind sich dorthin zu begeben, der soll es lassen dürfen. So wenig, wie man Menschen zu ihrem Glück zwingen kann und sollte, kann man Menschen zu Demokratie zwingen. Es bringt einfach nichts. Und das belgische Modell ist doch für Nichtwähler auch bloß reine Schikane. Wozu jemanden zwingen, zur Wahl zu gehen, der nicht wählen will?
Das Gemeinwesen hängt doch auch nicht davon ab, dass jeder zur Wahl geht. Natürlich kann man mangelnde Wahlbeteiligung als Desinteresse oder Politikverdrossenheit interpretieren. Ich behaupte aber: Wer weder wählt noch sich selber einer Wahl stellt, der ist wohl letzten Endes soweit mit dem einverstanden, was so passiert, dass er ein eingreifen seinerseits nicht für nötig hält. Gefallen muss uns dass nicht aber ich denke, dass wir auch solche Entscheidungen von mündigen Bürgern zu respektieren haben.
[...] vor der Wahl brachte uns (oder jedenfalls mich) Julian dazu, uns mit dem Gedanken auseinander zu setzen, ob nicht eine Wahlpflicht eine sinnvolle Option [...]