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Medien

Modern Warfare 2

28.11.09 | Link | Kommentieren? | Autor: Julian

Wenn schon Scheiße, dann Scheiße mit Schwung!

Mal ehrlich. Was haben wir uns in den vergangenen Jahren nicht immer über die miese Berichterstattung der Medien aufgeregt, wenn es um unser Hobby ging. Laut der Bild Zeitung gab es “Extra-Punkte” in Counterstrike dafür Schulmädchen und alte Omis über den Haufen zu ballern, und die frontal.21 Redaktion beglückte die Gamer im gefühlten Monatsrythmus mit Berichten die konstruierter waren als Pamela Andersons Brüste. Dass es bei Counterstrike und Co. nicht darum geht wehrlose Opfer zur Strecke zu bringen, sondern man im Team ein Ziel verfolgen muss, und, das muss man sich mal vorstellen, es sogar in Deutschland eine handvoll Menschen gibt die mit diesem Spiel in Wettkämpfen sogar Geld verdienen. Der eSport an sich ist da ein anderes Thema, den ich in Zukunft auch noch thematisieren will.

Speziell nach den Amokläufen der vergangenen Jahre kam, wie das Amen in der Kirche, die Diskussion um sogenannte Killerspiele hoch. Generationenkonflikt galore. Die Spielerszene in Deutschland hat oft und hart gegen die abstrusesten Vorurteile und für ihr Hobby kämpfen müssen, was nun dieses Jahr sogar darin gipfelte, dass in Karlsruhe eine Demonstration gegen das sogenannte Killerspielverbot stattfand. Es fand eine ungeahnte Politisierung einer ganzen Subkultur statt, die niemand noch vor 2 Jahren für möglich gehalten hätte.

Und nun erscheint ein einziges Spiel, und macht alles kaputt. Mit einer einzigen Szene. Call of Duty: Modern Warfare 2. Vielleicht tut es das nicht von jetzt auf nachher. Aber in den Diskussionen, die auch in Zukunft hochkochen werden, wird Modern Warfare 2 wegen dieser einen Szene am Flughafen das Totschlagsargument sein. Meiner Meinung nach hilft da auch kein gut gemeintes Statement von seiten der Entwickler, man wolle den Bösewicht noch böser und erlebbarer machen und die Handlung voran bringen. Mit Verlaub, das ist Unsinn. Es wird auch nicht genug sein, selbst als Spieler auf die moralische Verwerflichkeit in aller Deutlichkeit hinzuweisen.

Bevor ich den neuesten Teil der Call of Duty Reihe in den Händen hielt, hatte ich von dieser Szene schon gehört und auch ein ruckeliges Youtube Video gesehen. Ich wusste also ungefähr was da auf mich zukommt. Wenn man die Serie kennt, dann weiß man, dass es in der Regel gut inszenierte Action am Fließband gibt. Zugegeben, die Spiele habe ich immer sehr gerne gespielt. Als erstes Spiel hatte es CoD schon in den ersten Teilen geschafft von dem bewährten Ego-Shooter Gefühl als Einzelkämpfer wegzukommen. Am deutlichsten wurde das im zweiten Teil in der Kampagne als russischer Soldat. Man ist nicht der Überheld. Man ist einer von vielen. Das wurde zum ersten Mal in einem Computerspiel glaubhaft vermittelt. Natürlich kann man deshalb nicht ansatzweise ahnen oder nachvollziehen wie Krieg wirklich ist. Das kann und darf auch nicht die Intention sein ein solches Spiel zu spielen.

Jedoch waren die Szenen und Situationen die durch diese Art der Präsentation konstruiert wurden für den Spieler ein neues Erlebnis. Im Laufe der Reihe hat sich dieses Schema immer weiter entwickelt. Bis zu dem Punkt an dem wir heute sind. Als Maulwurf in einer russischen Terrorzelle erlebt man einen Anschlag auf einen Flughafen aus der Ego Perspektive. Ein Tabubruch. Und in meinen Augen ein mehr als unnötiger. Bei der Zeit ist derzeit ebenfalls ein Artikel zu dem neuesten Teil der Call of Duty Reihe zu lesen, der das Ego-Shooter Genre von einer leicht anderen Warte aus betrachtet. Dort wurde auch folgendes Video eingebettet, dass die Szene im Flughafen zeigt. Wohlgemerkt aus der ungeschnittenen Version des Spiels. In Deutschland wandert man zwar auch durch den Flughafen, jedoch ohne schießen zu dürfen.

Im Spielverlauf gelangt man recht schnell zu dieser Stelle. Es liegt allein am Spieler selbst ob man schießt oder nicht. Ob man es dann tut, oder auch nicht, hat keinerlei Auswirkung auf den weiteren Spielverlauf. Ich kann hier nun nur für mich sprechen. Mir hat das keinen Spass gemacht. Beim spielen beschlich mich ein ziemlich mulmiges Gefühl, und ich habe mich gefragt was das hier eigentlich soll und ob das nötig ist. Gut und gerne hätte ich darauf verzichtet. Das Spiel selbst bietet an vielen anderen Stellen noch genug gut inszenierte Momente, da würde man die Flughafen Schießerei nicht einmal ansatzweise verrmissen.

Kurz und knapp: Das was da passiert hat in so einem Blockbuster nichts zu suchen und überschreitet, in meinen Augen, eine moralische Grenze. Da gibt es nichts zu beschönigen. Was mich nun interessiert sind natürlich Eure Kommentare. Was haltet Ihr davon?

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