Das erste Mal ist immer was ganz Besonderes. Eine Erfahrung die man nur einmal im Leben machen kann. Gleichzeitig prägend für die Zukunft, wie auch Kern einer ganz großen Liebe. Gut, zweiteres ist nicht bei jedem der Fall. Es soll auch Menschen geben die dieser Sucht nicht verfallen sind. Andere sind nur ganz zufällig in diesen Honeypot hineingetappt, andere brauchten Zeit um das Verlangen nach mehr zu entwickeln.
Korrekt, es geht um Fussball. Genauer: Den ersten Stadionbesuch beim FC Schalke 04. Vorhin sind mehrere Tweets, von @HerrWieland und @tommes04, durch meine Twitter Timeline gerauscht, die mich daran haben erinnern lassen wie das denn bei mir so war. Das ist eigentlich eine ganz nette Geschichte an die ich mich gern zurück erinnere. Und aufgeschrieben habe ich die auch noch nicht, also prädestiniert für diesen Blog.
Erst durch eine Suche im Internet habe ich später das Datum dieses geschichtsträchtigen Ereignisses in Erfahrung gebracht. Das Jahr wusste ich noch so ungefähr. Und natürlich den Gegner samt Ergebnis. Der 5. Spieltag der Saison 1991/1992, ein Samstag. Ein Heimspiel für die Königsblauen. Damals noch im Parkstadion, meine Tante und mein Onkel mit mir auf der Haupttribüne. Und wenn ich schon dabei bin, dann will ich mich an dieser Stelle auch nochmal ganz hochoffiziell bei den beiden (okay, eigentlich wars mehr mein Onkel;-) ) bedanken mich auf die richtige Bahn gebracht zu haben. Ich höre mir immer wieder gerne die Geschichten von früher an, in denen mein Onkel mir auf meine kleine Kinderschultafel das Parkstadion aufgemalt und erklärt hat, und ich mir meine Trikotkluft selbst mit blauem Polohemd samt kurzer weißer Hose selbst zusammengestellt habe.
Mein Leben ohne den blau-weißen Virus wäre um einiges emotionsloser, trauriger, aber wohl auch fröhlicher geworden. Trotzdem will ich keinen dieser Momente jemals vermissen. Aber gut, zurück zum Spiel selbst. An diesem 24. August 1991 hieß der Gegner Borussia Dortmund. Was das letzten Endes bedeutet gegen den BVB zu spielen konnte ich damals, mit 8 Jahren, wohl nur ansatzweise erahnen. Aber auch da war schon klar: Wir sind die Guten, und die sind die Bösen. An klaren Verhältnissen in der Familie mangelte es also nicht.
Vom Spiel selbst habe ich aber kaum noch Erinnerungen. Wohl aber vom Drumherum. Wie vor jedem Heimspiel wurde der weiße Manta liebevoll mit dem selbstgestrickten blau-weißen Schal dekoriert. Die Fahrt ging, damals wie heute, von Herne aus über GE-Bismarck, am Zoo vorbei zum Berger Feld. Im Gegensatz zu heute war die Hinfahrt um einiges zeitintensiver, weil man nicht alleine auf der Straße war. Da es noch nicht so viele Dauerkartenbesitzer gab, und an einen Vorverkauf über das Internet noch nicht einmal zu denken war, wollten die Karten noch am Kartenhäuschen vor dem Stadion erworben werden. Man musste Schlange stehen. Zustände von denen der heutige Fan mittlerweile sehr weit entfernt ist. Neben der obligatorischen Stadionwurst gab es für mich auch mein erstes Fanutensiel. Eine kleine 90×60 Fahne mit dem Parkstadion und Schalke Emblem als Motiv. Die Fahnen vom Fanshop waren zu der Zeit noch aus richtigem Stoff gemacht, und nicht aus diesem Polyester Mist den man heute für teuer Geld erstehen kann. Den Stock von der kleinen Fahne hab ich mir dann gleich bei einem Sturz in die Fresse gehauen und mir einen Zahn ausgeschlagen. War aber nicht schlimm, die wuchsen bei mir damals noch nach.
Auf Seiten der Schalker standen damals Spieler wie Ingo Anderbrügge, Günter Güttler, Peter Sendscheid, Alexander Borodjuk und Jens Lehmann auf dem Platz. Bei den Borussen spielten damals Stéphane Chapuisat, Flemming Povlsen, Frank Mill, und Michael Rummenigge. Von allen damals aktiven steht wohl heute nur noch Jens Lehmann auf dem Platz. Von meinem Großvater in den frühen Neunzigern sehr gerne als “Fliegenfänger” beschimpft. Aber das aus dem mal was wird, das wusste ich damals schon! Deshalb hatte ich auch keine Angst im Elfmeterschießen bei der WM 2006 gegen Argentinien. Schließlich hatte Lehmann ja schon beim UEFA Cup Sieg 1997 bewiesen, dass er das kann.
Mein großes Idol war damals Ingo Anderbrügge. Wenn der mit links mal richtig abzog, hielt das kein Tornetz aus. Und weil ich auch, trotz Rechtshändrigkeit, Linksfuß bin, war da immerhin schon etwas was wir gemein hatten. Und dann schießt der auch noch in der zweiten Minute das 1:0. Ich war stolz wie Oskar und vom Glück total besoffen. Bier gab es damals noch nicht für mich. Das kam alles erst später. Da dann beim rumturnen auf der Haupttribüne, wie erwähnt, meine neue Fahne Bekanntschaft mit meinem Gebiss machte, war das Spiel da inhaltlich für mich eigentlich schon gelaufen. Im Endeffekt war das dann auch alles scheißegal. Der Einstand war mehr als gelungen. Schalke 04 gewann mit 5:2 gegen Borussia Dortmund.
Schlagwörter:Borussia Dortmund, FC Schalke 04, Heimspiel
Töffte!
[...] This post was mentioned on Twitter by Julian Reydt and Patrick. Patrick said: @Koenigszwitsch – schöner text von Dir http://is.gd/41Ywc !! Mein erstes mal war am 1.9.1992 – 5. Spieltag – Schalke 04 – Werder Bremen [...]