
So schnell kanns gehen, einmal nicht aufgepasst, und schon ist Weihnachten. Eigentlich meine Lieblingszeit des Jahres. Abgesehen vom Sommer. Die Weihnachtszeit ist etwas besonderes. Das Gefasel von Besinnlichkeit und Nächstenliebe spare ich mir einfach mal. Den Zustand Weihnachten so zu feiern wie es in Deutschland ziemlich jeder tut kenne ich eigentlich garnicht. Nur in Anlehnungen kommt die familiäre Abendplanung dem gemeinhin gängigen Ablaufplan Kirche-Bescherung-Weihnachtsgans gleich. Sicher, gegessen wird auch, muss ja. Aber wie sieht das Weihnachten des Julian R. denn nun aus?
In diesem kleinen Nest, mitten im Nirgendwo, in dem ich gezwungen wurde meine Pubertät zu durchleben – bevor es wieder in Richtung Großstadt ging – da gibt es zu Weihnachten einen Brauch. Ich weiß nicht ob es diesen Brauch auch noch woanders in der Republik gibt, ist an dieser Stelle auch nebensächlich. Nun, dieses Brauchtum vor Ort hat mein Gefühl für Weihnachten, und auch die Abendplanung, verändert. Andernorts trifft sich die Jugend zum Saufen, was ich eigentlich überhaupt nicht nachvollziehen kann, im tiefen Schwarzwald schnappt man sich eine Fackel und latscht mit dem halben Ort den Berg hoch. Zu einem ca. 5-6 Meter hohen Holzstoß, fein säuberlich aufgesetzt, um einen ca. doppelt so hohen Tannenbaum herum. Der wird dann angezündet, wenn die Leute aus der Kirche kommen, pünktlich um 18 Uhr.

Das brennt dann lustig vor sich hin und fällt irgendwann in sich zusammen. Während das dann so brennt, trifft man so ziemlich alle Leute die man kennt aus der Umgebung und wünscht sich Frohe Weihnachten. Nicht mehr, nicht weniger. Und das ist gut so. Keine altmodischen Gedichte aufsagen, oder im feinsten Spießerzwirn vorm Weihnachtsbaum singen, nein. An Heiligabend stehe ich in Klamotten die gerne dreckig werden dürfen vor einem riesigen Feuer, lasse Schnaps und Zigarillo reichen, und feiere mit meiner Familie Weihnachten.
Ziemlich locker also. Am schönsten ist das natürlich wenn auch noch so richtig viel Schnee liegt, und der Schein vom Feuer in der Umgebung reflektiert wird. Dieses Jahr stehen die Chancen nicht so gut, ich habe den Wetterbericht nicht so wirklich verfolgt, eine weiße Weihnacht zu haben.
Das mag für jemanden wie mich, der eigentlich nicht wirklich viel mit ländlichem Leben zu tun haben will, ziemlich seltsam klingen. Aber an Weihnachten ist die Familie dran. Und da gibt man sich doch gerne etwas bodenständiger als sonst.
In diesem Sinne wünsche ich allen unseren Lesern eine frohe und besinnliche Weihnacht, und schöne Feiertage. Lasst es euch gut gehen!
Töffte!
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