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Gesellschaft

Der Papst spinnt

04.02.09 | Link | 1 Kommentar | Autor: Julian

Ich kann mich noch gut an eine Unterhaltung mit einer Bekannten aus dem Jahr 2005 erinnern in der es darum ging, wer der neue Papst würde. Joseph Ratzinger war da natürlich auch ein Thema. Und irgendwann fiel von ihr der Satz, sinngemäß, “Wenn der der neue Papst wird, dann wird das keine guten Folgen für die katholische Kirche haben. Der schleudert uns zurück ins Mittelalter.” An diese Unterhaltung musste ich in den letzten Tagen wieder denken. Man muss wissen, ich bin katholisch getauft und hatte demnach immer mal wieder in meinem Leben mit der katholischen Kirche zu tun. Der erste Papst mit dem ich aufgewachsen bin war Johannes Paul II.. Ich habe den Papst weder live gesehen, noch aktiv seine Laufbahn verfolgt. Er war eben da. Und er schien eigentlich ein netter alter Mann zu sein. Auf die Details seiner Laufbahn brauche ich eigentlich nicht eingehen. Was Johannes Paul II. alles geleistet hat, liest man besser in dem Wikipedia Artikel nach.

Kurz nachdem ich besagte Unterhaltung hatte, wurde dann tatsächlich Joseph Ratzinger Papst. Ich war skeptisch. Auch ein wenig voreingenommen aufgrund seines Rufes als Erzkonservativer. Bis zu diesem Jahr wurde mir der Papst immer egaler, und eine Art innere Gelassenheit kehrte ein, weil ich von Anfang an den Eindruck hatte, dass Ratzinger als Papst gemäßigter auftritt. Nun trat das ein, was ich befürchtet hatte. Der Riesenfettnapf. Der “worst case”. Dieser eine Moment der selbst die eigenen Anhänger zutiefst zweifeln lässt. Der Papst hebt die Exkommunikation eines Holocaust-Leugners auf. Für mich unfassbar.

weltreligionen
(Quelle: Wikipedia)

Sicherlich mag diese Aufruhr in den Medien, für Menschen die wenig bis garnichts mit dem Konstrukt Kirche zu tun haben, überzogen zu scheinen. Das sehe ich allerdings nicht so. Religion spielt in jedem Winkel der Welt eine Rolle. Egal ob bewusst oder unbewusst. Es ist ein Teil unseres Lebens. Und die katholische Kirche spielt in dieser unserer Welt keine geringe Rolle. Die Aufhebung der Exkommunikation von Williamson mag nicht jeden direkt betreffen. Es ist jedoch ein Zeichen an alle anderen Weltreligionen, insbesondere des Judentums, dass sich die katholische Kirche auf keinem modernem Weg befindet. Es ist ein Weg, der mir Sorgen bereitet. Die Abkehr von der Moderne.

Diese Tatsache sollte man sich vor Augen führen, wenn man nun sieht, dass das Oberhaupt dieser Kirche einen ausgewiesenen Antisemiten, wie es der Bischof Richard Williamson ist, wieder mit offenen Armen empfängt. Wenn man die Kirche, und deren Botschaft, als Leitfaden für das Leben und das menschliche Miteinander begreift, wie soll man dann das verstehen? Lässt sich mit dem Gleichnis vom verlohrenen Sohn denn alles erklären? Wer die Geschichte kennt, der weiß, dass der verlorene Sohn am Ende geläutert und voller Reue wieder von sich aus zurückkehrt. Im Fall Williamsons scheint das nicht der Fall zu sein. Hier wird nur von internen Kommunikationsschwierigkeiten im Vatikan geredet; Man habe ja nichts gewusst. Den Satz habe ich an anderer Stelle schon einmal gehört.

Es fiele mir nie leichter aus der Kirche auszutreten als in diesen Tagen.

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