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Gesellschaft

“Das Ende der Arbeit”

15.10.08 | Link | Kommentieren? | Autor: Julian

Es ist schon eine Weile her, dass ich mit Jeremy Rifkin konfrontiert worden bin. Ich kann mich noch gut an ein Interview aus der Stuttgarter Zeitung mit ihm erinnern, dass im Deutschunterricht in der Berufsschule mal durchgenommen wurde. Den Namen hatte ich natürlich ein paar Tage wieder vergessen, aber Rifkins Thesen und Kernaussage hat mich fasziniert. Einige Zeit später, eher durch Zufall, stieß ich eben wieder auf jenes Interview der Stuttgarter Zeitung. Das ist nun zwar alles schon ein bischen älter, verliert meiner Meinung nach nicht an Brisanz. Im Gegenteil.

Ich halte Rifkins Thesen für hochinteressant. Die Kernaussage seines Buches “Das Ende der Arbeit”, aus dem Jahr 1995, beschreibt eine Gesellschaft in der Arbeit neu definiert wird. Arbeitsplätze in der Industrie verschwinden jetzt schon zusehends, und die Wirtschaft im Gesamten bewegt sich in eine Richtung die nur noch Arbeitsplätze für speziell ausgebildete Fachkräfte benötigt. In allen Bereichen wird zunehmend die Automatisierung von Prozessen vorangetrieben, und es werden nur noch wenige Fachkräfte benötigt um eben jene Systeme am laufen zu halten. Natürlich stellt sich nun die Frage wie der Mensch in einem solchen Gefüge sein Geld verdient. An erster Stelle steht der massive Umbau des bisherigen Steuersystems.

Frei nach Rifkin bedeutet das, einfach formuliert, dass jeder Bürger über eine Grundversicherung vom Staat versorgt wird. Die Besteuerung des Einkommens fällt grundsätzlich weg, im Gegenzug wird der Konsum der Menschen, und die Besteuerung unserer Ressourcen das System tragen. Arbeit wird zusehends in den Non-Profit Sektor wandern, der von dieser gewaltigen Steuerumschichtung getragen wird. Im Gegensatz zu den Arbeitsplätzen in der Wirtschaft und Industrie die zunehmends geringer werden, prophezeit Rifkin das in sozialen und kulturellen Aufgabengebieten der Bedarf an Arbeit und Engagement steigt und die Menschen dort Beschäftigung finden.

Und das soll im großen Stil klappen? Das klingt sehr utopisch.

Wir brauchen ja gerade Utopien. Generationen von Ökonomen haben sich damit beschäftigt, die Marktwirtschaft zu analysieren und Vorschläge zu machen, wie sie besser funktionieren könnte. Dabei ist der Mensch aus dem Blickpunkt geraten. Es ist doch so: Die Globalisierung hat versagt.

Warum hat sie versagt?

Weil sie zu viel Geld von unten nach oben verteilt hat. Die 356 reichsten Familien besitzen heute 40 Prozent des Reichtums der Menschheit. Diese Entwicklung führt uns in den Abgrund. Wenn die Unternehmen die Löhne immer weiter drücken, wird irgendwann niemand mehr ihre Produkte kaufen. Das ist so logisch, dass es eigentlich jeder verstehen müsste. Was wir brauchen, ist eine Reglobalisierung, bei der die Bedürfnisse der Mehrheit im Vordergrund stehen, nicht die Gewinnspannen einer kleinen Minderheit. Der technische Fortschritt lässt sich nicht aufhalten. Ich sehe zwei Alternativen für unsere Zukunft. Die eine ist eine Welt mit Massenarmut und Chaos. Die andere ist eine Gesellschaft, in der sich die von der Arbeit befreiten Menschen individuell entfalten können.

Das Ende der Arbeit kann für die Menschheit einen großen Sprung nach vorn bedeuten. Wir müssen ihn aber auch wagen.

(Quelle)

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