Das ist der Titel eines neuen Blogs in der politischen Blogosphäre. Die Autoren, allesamt Sozialdemokraten, wollen dem Missstand entgegentreten, dass es zu wenige Soziblogs in Deutschland gibt. So will man den vielen grünen, gelben, und den wenigen schwarzen Blogs geschlossen entgegentreten. Unter dem gemeinsamen Dach wird nun seit Anfang April fleißig gebloggt und das Ergebnis kann sich bisher wirklich sehen lassen. Ab sofort also hier in der Blogroll und natürlich in meinem Feedreader.
Golem berichtet heute von einem Vorschlag der nordrhein-westfälischen JU (gestern auch schon bei DerWesten.de), Registrierungen auf Videoplattformen wie Youtube oder MyVideo zu erschweren. Es ist angedacht die Anmeldeprozess zu verschärfen und noch mehr persönliche Daten zu Pflichtangaben zu machen. Nämlich die Personalausweisnummer und die Anschrift. Begründet wird dieser Vorstoß mit dem Vorwand, man wolle Jugendkriminalität erschweren und eindämmen. Golem zitiert den Landesvorsitzenden der Jungen Union, Sven Volmering, wie folgt:
“Rivalisierende Jugendbanden putschen sich mit Hassbotschaften und Gewaltposen im Internet auf, um sich anschließend zu Straftaten zu verabreden”, so Volmering. Besonders in “problematischen Stadtteilen” seien Jugendgangs wieder “angesagt”, was sich in der Kriminalstatistik durch eine Zunahme der Gewaltdelikte durch Jugendliche widerspiegle. Ordnungsbehörden, Jugendämter und Polizei müssten gegen “mediale Gewalt” verstärkt vorgehen. “Einschreiten und abschalten” sei die Forderung der Jungen Union.
(Quelle, Golem.de)
Was eine abstruse Forderung. Wie wäre es denn, anstelle von “Einschreiten und abschalten” mit “Einschreiten und die Jugend von der Straße holen”? Diese Forderung zeigt in diesen Tagen, die wir in 10 Jahren als den Beginn der bundesdeutschen Netzzensur in Erinnerung haben werden, doch sehr deutlich was die Union vom freien Internet, wie wir es bisher kannten, hält. Nämlich garnichts. Die Junge Union in NRW springt da gerade auf den abfahrenden Zug der Zensur und man könnte meinen, dass sich da jemand bei Deutschlands Vorzeigemutti Zensursula von der Laien ins Bettchen kuscheln will.
Nein, liebe JU, das ist ausgemachter Schwachsinn. Euch darf man dann wohl bald als die zweite Generation der Internetausdrucker bezeichnen.
Den heutigen Freitag kann man durchaus als schwarzen Tag für das Internet bezeichnen. Es gibt zwei Dingeaufgrund derer der 17.4.2009 als Tag des Rückschritts in die Geschichte des (deutschen) Internets eingehen wird. Zum Einen wurden heute die Verträge zwischen BKA und verschiedenen Internet Providern unterschrieben, und die Jungs von der Piratenbucht wandern für ein Jahr in den Knast. Über Sinn und Unsinn von P2P Netzen, Urheberrecht, Kulturflatrates, in kann man sicher sehr sehr ausschweifend diskutieren. Ich bin aber der Meinung, dass hier die “alte Welt” wie wir sie kennen, sich gegen die Veränderungen zu wehren versucht die schon seit einigen Jahren im Gange sind. Dass dieses Urteil in keinster Weise die Probleme löst die nun einmal da sind, sollte jedem einleuchten.
Über die Überflüssigkeit der Sperrlisten die nun beschlossene Sache sind habe ich vor einer Weile schon gebloggt. Nun steht einer Zensur im deutschen Netz nichts mehr im Wege. Noch dazu sind diese Sperrlisten in so einer simplen Form umgehbar, dass es mich schmerzt zu wissen, dass die Leute die sich das ausgedacht haben wahrscheinlich um ein vielfaches mehr verdienen als jeder Durchschnittsinformatiker, der wirksamere Lösungen parat hätte. Und auch hier muss sich die Frage gestellt werden weshalb diese Seiten nicht einfach gleich aus dem Netz genommen werden, anstatt davor die Augen zu verschließen, wohl wissend dass die Inhalte aber immer noch im Netz stehen. Das ist an Absurdität nicht zu überbieten. Noch dazu weiß man über genug Vorfälle in denen diese Sperrlisten, die ja in einigen Ländern dieser Erde schon existieren, missbraucht wurden um andere unliebsame Webseiten auszusperren. Ob das nun politisch motivierte , oder Urheberrechtliche Gründe hat sei einmal dahingestellt. Es geht hier ums Prinzip. Und um nichts anderes.
In dem oben schon verlinkten Spiegel Online Artikel kommt auch Andy Müller-Maguhn, Sprecher des Chaos Computer Clubs, zu Wort:
Maguhn: “Dass man mit Sperrverfügungen und dem Ausblenden von problematischen Inhalten hier versucht, eine Lösung des Problems zu simulieren, ist bloßer Populismus. Es handelt sich um eine Täuschung der Öffentlichkeit mit dem Ziel der Errichtung einer Zensurinfrastruktur, die einer Demokratie unwürdig ist.”
(Quelle, SpiegelOnline)
Außerdem kann diesbezüglich den Gastbeitrag von Axel Kosse und Holger Bleich in der Netzwelt Rubrik, Redakteure der Fachzeitschrift c’t, mehr als empfehlen.
Batman erklärt die Welt. Bei Spreeblick bin ich auf den Youtube Channel von Stevieb321 gestoßen, der sich die Mühe gemacht hat die alte Batman Serie mit Adam West zu durchstöbern und die skurrilsten und lustigsten Zitate zusammengeschnitten hat. Am besten gefällt mir die Zusammenstellung dieser Welterklärungsversuche des dynamischen Duos. Großartig!
(Direktschlaumeier, via Spreeblick)
Folgendes Video habe ich eben bei Malte Welding gefunden. Man sieht Demonstranten die in London friedlich gegen den G20 Gipfel protestieren, ihre Arme in die Luft strecken und “This is not a riot” rufen. Zu Deutsch: Das hier ist kein Aufstand. Und was macht die Polizei? Knüppelt wild drauf los. Na danke.
(via Malte Welding)
Eben bin ich bei Robin auf den Artikel “In was für einer digitalen Gesellschaft wollen wir leben?” von Peter Glaser gestoßen. Hochinteressant was der Mann da schreibt. Und das tolle ist: Es geht uns alle etwas an. Lesen! Zack Zack!
Mit am interessantesten in diesem sehr weit ausholenden Artikel fand ich eigentlich diese Stelle:
Zu den neuen Regeln gehört, dass wir mehr Positionen zulassen müssen als bisher. Die Lage ist komplex. Der Schiedsrichter bei einem Fußballspiel ist ein Inbild der alten Zeit. Er ist mit seiner singulären Sicht auf dem Spielfeld in einer wesentlich schlechteren Position als jeder Zuschauer vor dem Bildschirm. Der Schiedsrichter ist sozusagen aussichtslos. Er betrachtet die Welt immer noch von seinem vereinzelten Standpunkt aus, der einen heute angesichts der elektronischen Multiperspektive hoffnungslos ins Hintertreffen geraten läßt. In kritischen Situationen auf dem Spielfeld muß der Schiedsrichter aus seiner subjektiven Position heraus entscheiden, obwohl ihn eine beunruhigende Medien-Objektivität umgibt: Der träge Zuschauer auf dem Sofa sieht im Lauf der nächsten Sekunden die Situation aus unterschiedlichen Kamerapositionen, in Zeitlupe wiederholt, vielleicht noch grafisch verstärkt, und kann sich ein – dem Fußball angemessenes – rundes, ganzheitliches Bild machen.
(Quelle, Glaserei)
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