Liebe Hessen,
nun habt ihr die Wahl. Eine neue Regierung soll her, um Euer Land regieren. Dass Euer bisheriger Ministerpräsident, der Roland Koch, keine gute Wahl war hat er ja bewiesen. Wollt ihr wirklich die nächsten 5 Jahre mit rückwärts gerichteter Politik leben? Was ist mit eurem Bildungssystem? Wo sind die Investitionen in erneuerbare Energien? Das sind starke und wichtige Themen, die man jetzt anpacken muss. Und nicht erst irgendwann. Lösungen für diese Problematiken finden sich nicht in den Parteiprogrammen der Union. Die findet man woanders. Ihr wisst wo.
So wie bisher darf es einfach nicht weitergehen.
Tut was dagegen.
Koch abwählen.
Bei den bloggenden Genossen der NRWSPD sind 2 kurze Reportagen online, die ich Euch nicht vorenthalten will. Das Thema ist Wahlkampf 2.0, oder wie auch immer man die Benutzung neuer Kommunikationsformen im Internet auch nennen mag. In beiden Videos kommt auch unter anderem Markus Beckedahl von netzpolitik.org zur Sprache und erklärt warum das Internet von den politischen Parteien in Deutschland endlich ernst genommen werden soll. Aber seht selbst:
Bei vorwärts.de darf man sich noch bis Sonntag in diesem Artikel an der Wahlwette beteiligen. Zu gewinnen gibt es natürlich auch was. Hier meine Prognose:
SPD: 31%
CDU: 38%
Grüne: 9%
FDP: 12%
Linkspartei: 4%Begründung:
Das Medientheater nach der letzten Wahl um Andrea Ypsilanti, und den Schaden der daraus entstanden ist, kann auch durch diesen wirklich tollen Wahlkampf von TSG nicht wett gemacht werden. Ich sage das nicht gerne, und es schmerzt, aber in Hessen wird es noch eine Legislaturperiode für den ollen Koch geben.
Ja, ich weiß. In letzter Zeit kommt hier ein bischen viel über TSG, Twitter, und den ganzen Rest. Aber der vollständigkeit wegen muss ich natürlich auch den TSG Fake von Ex-Titanic Chefredakteuer Martin Sonneborn erwähnen. Satire 2.0. Herrlich.
Wusstet ihr eigentlich, dass Deutschland quasi ihm, also Sonneborn, die WM 2006 zu verdanken hat? Mit einem Augenzwinkern zitiere ich mal aus der Wikipedia:
Sonneborn ist bekannt für medienwirksame Aktionen. So schrieb er kurz vor der Vergabe der Austragung der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 im Jahr 2000 auf Englisch ein Fax an die wahlberechtigten FIFA-Mitglieder. In dem Fax wurde ihnen eine „Schwarzwälder Kuckucksuhr und ein Fresskorb mit Bierkrug“ in Aussicht gestellt, wenn sie für Deutschland als Austragungsort stimmen würden. Unter ihnen befand sich auch der Neuseeländer Charles Dempsey, der sich schlussendlich entgegen früheren Absichten und auch entgegen den Anweisungen seines Heimatverbands der Stimme enthielt, und Deutschland wurde in der finalen Auszählung mit 12:11 Stimmen gegen Südafrika als Austragungsort für die Fußball-WM 2006 gewählt. Im Fall eines Gleichstandes hätte Präsident Joseph Blatter mit seiner Stimme entschieden und Blatter war stets ein Anhänger der südafrikanischen Bewerbung. Der „Bestechungsversuch“ geriet international in die Schlagzeilen. Dempsey bestätigte die erfolgreiche Bestechung angeblich später mit den Worten „This final fax broke my neck.“
(Quelle)
Am Samstag vormittag gab es, zumindest für Deutschland soweit ich das beurteilen kann, eine kleine Premiere im Internet. Ein Blogger führt mit einem Spitzenkandidaten einer politischen Partei über Twitter ein Interview. Der genaue Wortlaut ist schon in diversen Blogs veröffentlicht worden, und darf dort nachgelesen werden. Aber ich wäre ja kein Blogger wenn ich den Inhalt nicht auch bei mir bereitstellen würde und meinen Senf dazu abgebe, nichwahr.
Nun, für die Leser die davon nichts mitbekommen. Deutschlands A-Super-Duper-Uber-Blogger Robert Basic (basicthinking.de/blog/) hat mit Thorsten Schäfer-Gümbel (SPD) ein Interview mittels Twitter geführt. Einfach so, zwischendurch, während TSG im McDrive vorbeischaute. So einfach ist das. Der genaue Wortlaut des Gesprächs lautete wie folgt:
Das Interview
[...]
@TSG Fertig zum twitterinterinterview mit @robgreen. Sind im auto.@robgreen @tsghessen Hallo, freut mich, dass Sie sich die Zeit genommen haben für ein Interview auf Twitter.
@robgreen @tsghessen eine kleine Bitte vorab: Auf Fragen weder mit einem Ja noch einem Nein auch nicht einem Vielleicht antworten;)@tsghessen legen wir los? Sind im drivethrough mcdonalds
@robgreen @tsghessen bereit?
@robgreen @tsghessen and you use the force luke, hashtag =#tsg@robgreen @tsghessen 1. Viele kennen Twitter nicht, wie würden Sie Twitter einem Mitmenschen erklären?
@robgreen @tsghessen gehen wir zur zweiten Frage, wenn die erste zu schwer ist@tsghessen Die komprimierteste kommunikationsform aller zeiten.
@robgreen @tsghessen, cool next question
@robgreen @tsghessen 2. Wer ist Schäfer-Gümbel in 140 Zeichen, als Mensch und Politiker?
@TSG @RobGreen Mix aus bayrischer lebensfreude und preussischen tugenden.
@robgreen @tsghessen 3. Wie kam es, dass Sie Twitter nutzen? Von PR-Beratern gewzungen worden oder rief Obama an?
@tsghessen Keine agentur. Mein obama heisst @oliverbarracuda der gehoert zur familie.
@robgreen @tsghessen use the force luke, hashtag = #tsg ;)
@robgreen @tsghessen 4. Wäre TSG der beste MP von Hessen, den wir je hatten oder nur Mittelmaß?
@TSG @RobGreen Auf jeden fall besser als der geschaeftsfuehrende. Georg august zinn war der ueberragende mp in hessen. Empfehlung: Googlen
@robgreen @tsghessen 5. Was stört sie an Politikern an meisten? Machtgeilheit? Volksferne? Was ist es?
@TSG @RobGreen inhaltsleeres geschwaetz und fehlende ziele.
@robgreen @tsghessen 6. Werden Sie auch nach der Wahl weiter twittern oder wars das mit der volksnahen Sendung?
@TSG @RobGreen auch als MP in hessen moechte weiter twittern. ich muss halt nur sehen, in welchem umfang das geht.
@robgreen @tsghessen 7. Warum soll man sie wählen? Knapp und knackig, in 140 Zeichen:) Und bitte kein Koch-Vergleich jetzt
@TSG @RobGreen weil es um die chancen und talente von “ottilie” geht. http://tinyurl.com/a4a6a8
@robgreen @tsghessen was ist Ottilie?
@TSG @RobGreen Es ist das maedchen, dass ich jeden abend in meinen reden erwaehne. Ich erklaere an ihrem beispiel unsere bildungspolitik.
@robgreen @tsghessen abschließende Frage: Welche Fragen haben Sie an uns Twitter-Nutzer, nicht nur die in Hessen? Was interessiert Sie?
@robgreen @tsghessen (kleiner Dialoghinweis für after the interview;)@TSG @RobGreen wenn wir twitterinterviews jetzt haeufiger machen, wie koennen wir sie verbessern?
@robgreen @tsghessen und für mich als Wähler stört in den Tweets der häufige Koch-Bezug… you not him… ;)
@robgreen @tsghessen danke sehr für das Interview und wünschte mir, dass sie uns auf Twitter weiterhin erhalten bleiben. Auch so ein Test…@TSG @RobGreen Ich bleib twitter erhalten. Das kann ich zusagen. Was ist ihr neues projekt, wenn Sie das blog verkauft haben?
@robgreen @tsghessen, die Fragen der anderen an Sie zwischendurch würde ich mir wünschen, dass sie beantwortet werden könnten, wäre KLASSE!!!
@robgreen @tsghessen später natürlich:) Wünsche ein angenehes Wochenende!
@robgreen @tsghessen es wird einen PrivatBlogger geben und einen Fachblogger (so wie bei Poliitkern…den Privatmensch und den Publich Mensch:)@TSG @RobGreen Danke fuer das interview. Danke fuers mitlesen. Werde mir jetzt die reaktionen ansehen. Schoenes wochenede
@robgreen @tsghessen wünsche ich Ihnen auch und ich bin stolz auf mich, Sie nicht geduzt zu haben. Gewinne die Wahl = Wunsch, kein Befehl;)
@TSG @RobGreen danke. auf bald.
[Ende: 13:19 Uhr]
(Quelle: basicthinking.de/blog/)
Wenn mir jemand vor 2 Jahren noch erzählt hätte, dass jemand wie TSG kurz vor einer wichtigen Wahl, einen solchen ersten Dialogorientierten Wahlkampf zu führen. Ich hätte ihn für bekloppt gehalten. Aber Thorsten Schäfer-Gümbel ist nur der Wegbereiter in Sachen Wahlkampf im Internet. Ich habe bei der SPD wirklich ein gutes Gefühl für den kommenden Wahlkampf, dass einige Dinge zum ersten Mal in Deutschland als wichtig erachtet werden. Twitter ist hier wirklich das Beste Beispiel. Ein Kommunikationskanal mit WTF-Effekt wird von deutschen Politikern entdeckt. Auf langfristige Sicht werden Trends im Internet zunehmend wichtiger für die Politik. Obama ist ja hierbei immer das große Vorbild. Man sollte aber bedenken, dass sein Onlinewahlkampf immerhin auch 2 Jahre lang in Arbeit war, beziehungsweise sich in dem Zeitraum zu dem entwickelt hat, was er am 4. November 2008 war.
Ob TSG nun von diesem Auftreten im Internet, quasi als Politpionier im deutschen Internet, auch selbst profitieren wird vermag ich nicht zu prophezeien. Wohl aber ist er Wegbereiter und Speerspitze einer ganzen Reihe an Politikern, die sich schon heute selbstbewusst, modern, und zeitgemäß im Internet präsentieren. Und zwar parteiübergreifend. Obwohl die SPD zur Zeit online ein kleines bischen die Nase vorn hat. Unter anderem auch der Relaunch der Seite der Bundes SPD.
Um aber nun die Verknüpfung zu dem Interview wieder herzustellen: Es war inhaltlich okay, und eigentlich kam nicht so viel rüber. Da ist noch viel Luft nach oben. Lobenswert sei an dieser Stelle angemerkt, dass Schäfer-Gümbel im Interview erwähnt hat, er würde Twitter auch nach der Wahl weiternutzen wollen. Das alles begreife ich mehr als Symbol für das wohin sich die Politik in Zukunft bewegt. Mehr Dialog mit den Bürgern, stärkere Vernetzung, und noch transparenteres Handeln. Das wird die Zukunft darstellen. Wer das nicht glauben mag, der hat die Zeichen der Zeit nicht erkannt.
Andere Artikel zum Thema:
TSG will Twitter weiter nutzen bei Christian Soeder
Blogger interviewt hessischen SPD-Spitzenkandidaten live auf Twitter bei Dirk Baranek
(DirektWesterwelle, via SPD Blog BaWü)
Aus dem extra3 Podcast vom 8.1.2009: Guido Westerwelle, “das ist der den keiner mag”.
Die gestrige Monitor Sendung, mit dem Titel “Kreuz gemacht und abgehakt – Demokratie ohne Demokraten?”, behandelte die Thematik um Politik und Demokratie im Internet. Sollte man gesehen haben. Alternativ zum Stream auf der Monitor Webseite gibts die Folge auch per Podcast.
Auf den Nachdenkseiten ist ein Antrag von Peter Conradi mit dem Titel “Bahnreform statt Bahnverkauf” veröffentlicht worden, der von der SPD in das Wahlprogramm zur kommenden Bundestagswahl aufgenommen werden soll. In dem Antrag geht es vor allem darum die ursprünglich geplante Privatisierung der Deutschen Bahn zu verhindern. Ein Unternehmen mit einer so hohen Verantwortung den Bürgern gegenüber darf einfach nicht in private Hände gelangen. Die Mobilität der Bürger muss wichtiger sein als die profitgeilheit von Bahnchef Mehdorn. Alleine die Tatsache, dass ein Herr Mehdorn noch im Amt ist, nach allem was dieser sich in den letzten Jahren erlaubt hat, grenzt schon fast an blanken Hohn. Deshalb muss es Aufgabe der Sozialdemokratie sein, dieses Vorhaben aufzuhalten.
Hier einige Auszüge:
Die Ziele der Bahnreform
* Die DB AG soll alle Mittelstädte stündlich/alle Grosstädte halbstündlich mit IC/ICE-Zügen bedienen und die Reisezeiten durch integrierte Taktfahrpläne verkürzen.
* Die DB AG braucht ein transparentes, attraktives Preissystem, das die Bahnpreise mit der Benutzung anderer Verkehrsangebote verbindet.
* Die DB AG muss ihren Anteil am Güterverkehr weiter steigern, zum Beispiel durch mit anderen Verkehrsunternehmen kombinierte Transportangebote, auch im grenzüberschreitenden Güterverkehr und durch eine Wiederbelebung des regionalen Güterverkehrs.
* Die DB AG muss ihre Politik der Streckenstilllegungen und Bahnhofsschliessungen beenden. Die Ausdünnung des Bahnverkehrs in der Fläche und die Konzentration auf schnelle Fernverkehrsstrecken widersprechen unseren Zielen der Bahnreform.[...]
Begründung:
Grundgesetz
“Der Bund gewährleistet, dass dem Wohl der Allgemeinheit, insbesondere den Verkehrsbedürfnissen, beim Ausbau und Erhalt des Schienennetzes der Eisenbahnen des Bundes sowie bei deren Verkehrsangeboten Rechnung getragen wird.” (GG Art 87e Abs 4)SPD-Grundsatzprogramm 2007
In einer teilprivatisierten DB AG haben die Renditeerwartungen der Investoren Vorrang vor dem Wohl der Allgemeinheit. Deshalb haben wir im Hamburger SPD-Grundsatzprogramm (S.32) beschlossen: “Kernbereiche öffentlicher Daseinsvorsorge wollen wir nicht den Renditeerwägungen globaler Kapitalmärkte aussetzen.”
Auf netzpolitik.org wurde die 3. Kurzstudie zum Thema “Politik im Web 2.0″ veröffentlich. Die Ausführliche Fassung findet man hier (PDF / 780 KB), eine Zusammenfassung der Ergebnisse findet man im entsprechenden Artikel.
Untersucht wurde die Präsenz von Parteien, Jugendorganisationen sowie Spitzenpolitikern der Parteien und Jugendorganisationen in den in Deutschland relevantesten Social Networks (StudiVZ, XING, MySpace, Facebook) sowie auf YouTube und Twitter. In der dritten Ausgabe (Dezember 2008/Januar 2009) finden sich erste Tendenzen, welche Plattformen wahlkampfrelevant werden könnten – und welche nicht. Ergänzend wurde die Popularität von Parteien, Politikern und Jugendorganisationen bei den Blogsuchmaschinen Technorati und Google Blogsearch unter die Lupe genommen.
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