Die Bundesregierung, und das Außenministerium haben seit kurzem zwei Internetportale für Kinder ins Netz gestellt. Auf www.regierenkapieren.de werden Deutschlands Nachwuchssurfer gleich von Tante Angie abgeholt, und mit einem Podcast empfangen. In einfachen Worten wird auf der Webseite erklärt was man denn so als Regierung macht, und ist sogar auf ein kleines Spielchen eingeladen . Ähnlich sieht es auf www.kinder.diplo.de aus. Da kommt der nette Onkel Frank-Walter ebenfalls in einem Video daher, und erklärt in einfachem Politsprech was man so als Außenminister alles zu tun hat.
Okay, mag vielleicht alles ein wenig sarkastisch klingen. Das macht aber nichts, da ich beide Seiten für eine tolle Sache halte. Ehrlich! Gut, zugegeben, ich würde mein Kind lieber beim Frank-Walter als bei Frau Merkel abgeben. Reinklicken darf man trotzdem!
Vor einiger Zeit hatte ich mit Jörg, wie an dieser Stelle bereits erwähnt, eine hochinteressante Diskussion über das Demokratiebewusstsein der Deutschen. Bevor ich aber nun ins Detail gehe, schauen wir noch einmal auf den Verlauf der deutschen Geschichte im letzten Jahrhundert.
Deutschland war gegen Ende des 19. Jahrhunderts das erste Mal ein souveräner Staat, eine Monarchie mit Kaiser. Die Kleinstaaterei hatte ein Ende, und das erste Mal in der Geschichte gab es ein geeintes Deutschland. Aber war diese Monarchie wirklich so geeint, wie man es sich denkt? Das bezweifle ich. Nach dem ersten Weltkrieg begann die Weimarer die Republik, die eher einer Farce denn einer Demokratie entsprach. Es gab bemühte Leute, ehrenwerte Demokraten, aber den Wechsel von Monarchie auf Selbstbestimmung, hat das deutsche Volk damals nicht verstanden. Aus einem ganz einfachen Grund. Neben dem Unmut der Bevölkerung,u.a. wegen der Versailler Verträge und der Weltwirtschaftskrise, verstanden es die Meinungsbildenden nicht den Deutschen die Demokratie beizubringen. Auf staatlicher Ebene war also die Demokratie, wenn auch mangelhaft, installiert. Aber nicht im Volk selbst. Was ab 1933 passierte, und den zweiten Weltkrieg nach sich zog, ist hinlänglich bekannt, und muss hier auch nicht weiter detailliert werden.
Nun, vom Jahre 1945 ausgehend, gab es für die Deutschen keinerlei Erfahrung mit der Demokratie. An dieser Stelle möchte ich kurz Helmut Schmidt zitieren.
Bei Hitlers Machtantritt war ich gerade vierzehn Jahre alt geworden – aber bis 1945 hatte ich nicht einmal den Begriff Demokratie gekannt.
Dieser Satz drückt ziemlich gut aus, was ich ausdrücken will. Und ich führe das noch weiter aus indem ich behaupte, dass es in Deutschland erst meine Generation ist, die mit dem 3. Reich nichts mehr zu tun hat. Sicher hat jeder Geschichten seiner Großeltern aus der Zeit erzählt bekommen. Davon gehe ich an dieser Stelle einmal aus. Es gibt jedoch einen ganz eklatanten Unterschied, den meine Generation von der unserer Eltern unterscheidet. Wir mussten uns nie die Frage stellen inwiefern unsere Eltern sich in dieser Zeit verhalten haben. Wir mussten das alles nie hinterfragen. Und schlussendlich spart das nicht nur Konfliktpotential – was sich sehr gut anhand der Studentenbewegung der Sechziger Jahre zeigen lässt – sondern bringt uns auch in die glückliche Lage nur diesen einen Zustand zu kennen, der sich Demokratie nennt. Natürlich spielt auch die Erziehung eine gewichtige Rolle in diesem Zusammenhang. Und genau das ist der Punkt. Während andere euopäische Nationen schon seit etlichen Generationen demokratisch regiert werden, beginnt die deutsche Demokratie erst aus ihren Kinderschuhen zu entwachsen.
Das führt zu einer einzigartigen Chance für alle jungen Deutschen meiner Generation ein starkes demokratisches Fundament zu errichten, das für die Zukunft gewappnet ist. Aber das zu erkennen ist nicht einfach. Vor allem in Anbetracht des vorherrschenden Politikverdrusses. Daher ist es die Pflicht, allenvoran der Politik selbst, und jedes politisch Denkenden Menschen sich zu engagieren und zu zeigen das man etwas bewegen kann!
Hat der Bürger nicht nur Rechte sondern auch Pflichten gegenüber dem Gemeinwohl?
Hat die Verweigerung zu wählen nicht eher mit einem Verhaltens-Beliebigkeitswahn und Verantwortungslosigkeit zu tun?
Wir haben die Freiheit zu wählen. Dafür haben unsere Vorfahren im letzten Jahrhundert zu Tausenden gekämpft – und heute dürfen wir hier ohne militärische Begleitung frei wählen.
Wir dürfen uns auch frei informieren, damit wir informiert frei wählen können.
Bei Forderungen an den Staat ist der Bürger schnell zur Stelle – aber umgekehrt – wenn das Gemeinwesen eine Forderung an den Bürger hat, dann ist der Bürger schnell auf dem Sofa, um dort zeternd in vielen Fällen zu verharren…..
Haben wir als Bürger nicht nur Rechte sondern auch Pflichten? Und gehört nicht das “Wählen-Gehen” zu einer demokratischen Pflicht?
Dieses Wochenende sollte in Köln der sogenannte “Anti-Islamisierungskongress”, in der Blogosphäre auch als “Anti-Intelligenzkongress” gehandelt, stattfinden. Aber natürlich nicht ohne, sehr vorbildliche, Gegenwehr der Kölner Bürger. Und es haben alle mitgemacht, haben demonstriert, sind auf die Straße gegangen, und haben ein mehr als deutliches Zeichen gesetzt. Spiegel Online schreibt:
Kein Taxi nahm sie mit, Wirte und Hoteliers warfen sie raus, Demonstranten verhinderten ihre Kundgebung: Der sogenannte Anti-Islamisierungskongress europäischer Rechtspopulisten in Köln wurde zur peinlichen Lachnummer. Übergriffe Linksradikaler überschatteten den friedlichen Protest.
(Quelle, spiegel.de)
Zu den Ereignissen des heutigen Tages bietet im übrigen DerWesten.de eine umfangreiche Bildergalerie, und einige Videos, an. Zusätzlich hat die Redaktion die Twitter-Gemeinde mit Nachrichten aus Köln auf dem laufenden gehalten.
Unter www.franz-muentefering.de ist seit kurzem die Onlinepräsenz des designierten Parteivorsitzenden der SPD abrufbar. Die Seite wird zwar redaktionell von einer Agentur betreut, die Texte selbst schreibt Münte aber selbst. Oder hat sie geschrieben. Inhaltlich hat die Seite von Aufsätzen, über Reden, bis hin zu Karikaturen, schon vom Start ab sehr viel zu bieten. Und macht einen guten Eindruck. Der Link ist ab sofort auch in der Blogroll hier zu finden.
(via, DerWesten.de)
“Diese Auseinandersetzung sollten wir ganz schnell beenden”, sagte der kommissarische Parteivorsitzende und Kanzlerkandidat, Frank-Walter Steinmeier am Freitag in einem Zeitungsinterview. SPD-Fraktionschef Peter Struck stellte klar: “Die Agenda ist Vergangenheit.”
(Quelle, zeit.de)
Die Agenda-Diskussion scheint tatsächlich beendet zu sein. Spätestens jetzt sollte für die Genossinnen und Genossen klar sein, dass keine Zeit mehr ist alle Kräfte in Flügelkämpfe zu investieren, sondern geschlossen und solidarisch der Parteiführung gegenüber für die eine Sache zu kämpfen. Angela Merkel muss abgewählt, und Frank-Walter Steinmeier Bundeskanzler werden.
Der “Verein zur Hilfe und Unterstützung gegen den Abmahnwahn e.V.” braucht Eure, nein unsere Hilfe. Es wurde nun ein Brief verfasst der auf der Webseite des Vereins darauf wartet ausgefüllt und abgeschickt zu werden. Worum es im Endeffekt geht, kann man auf gulli.com nachlesen. Hier einige Auszüge:
Wir alle sind nicht nur das wählende Volk. Wir sind vor allem diejenigen, von dessen Geld die Industrie wie auch alle Künstler in Zukunft leben wollen. Keine CDs mehr zu kaufen wird auf allen Seiten nur noch mehr Unmut hervorrufen. Alleine der Verzicht auf jeglichen Konsum in diesem Sektor wird die Marschrichtung der Politiker nicht ändern können. Im Gegenteil: Es wird Zeit aktiv zu werden und der eigenen Stimme mehr Klang zu verleihen.
[...]
Deswegen unsere Bitte: Den Brief von der Homepage des Vereins ausdrucken, unterschreiben und absenden. Bitte zeitgleich eine E-Mail an den Verein schicken, in der ihr mitteilt, wieviele Schreiben von euch verschickt wurden, damit diese abschätzen können, welche Papierflut auf Frau Zypries tatsächlich einströmen wird. Überwinden wir gemeinsam die Politikverdrossenheit, die mehr und mehr Bürger erfasst hat. Die 55 Cent plus fünf Minuten Arbeit sind gut angelegt. Wer absolut nichts tut, der sollte sich im Gegenzug auch nicht darüber beschweren, dass alles schlechter wird.
(Quelle)
An und für sich ist das ja nichts besonderes in unserer heutigen Zeit Mailboxen bei Freemailanbietern zu benutzen. Aber an Peinlichkeit nicht zu überbieten ist das, was sich die Vizepräsidentschaftskandidatin der Republikaner, Sarah Palin, da geleistet hat. Welchen Teufel muss Sie geritten haben Regierungsmails über einen Yahoo Account zu verschicken? Wahrscheinlich auch noch unverschlüsselt. Wie man so fahrlässig mit wichtigen, mehr als schützenswerten, Daten umgehen kann ist mir ein Rätsel. So etwas darf einem hochrangigen Politiker einfach nicht passieren. Aber auch in Deutschland haben wir da ja ein paar Kandidaten der Union, die Leute beschäftigen um das Internet zu bedienen. Das ist mehr als nur ein Armutszeugnis.
Zurück zu Sarah Palin. Die Umstände wie die Geschichte mit dem Yahoo-Account an die Öffentlichkeit gerieten sind allerdings dubios. Das Ganze ist auf einen Hack zurückzuführen, wobei ich anzweifle, dass man das auch so bezeichnen darf. Das Kontopasswort eines Freemailanbieters auszuspähen ist leider immer noch ein Kinderspiel, und bedarf keinerlei speziellen Kenntnisse. Beispiel: GMX. Schon gewusst, dass der Benutzername und das Passwort im Plaintext übertragen wird, wenn man sich auf der Webseite anmeldet? Nicht? Gut, jetzt wisst ihrs. Ein bischen Datentransfer mitschneiden, und schon hat man die Daten auf dem Bildschirm. Ob jetzt konservativ oder nicht, das Internet ist nuneinmal da, und wenn man es denn auch benutzt, dann bin ich der Meinung, dass man eben damit auch verantwortungsvoll mit umgehen muss.
You fail, Sarah Palin! You fail!
P.S. Auf heise.de findet sich ebenfalls ein Artikel zum Thema. Für die, die es gerne ein wenig technischer mögen.
Ich freue mich ganz besonders auf diesem Blog einen neuen Autor begrüßen zu dürfen. Ab heute wird mein werter Herr Vater regelmäßig hier schreiben. Er hört auf den Namen Jörg, engagiert sich in Bayern für die FDP, ist hauptberuflich im Bildungssektor aktiv. Im Netz schon seit längerem aktiv, u.a. bei XING, und natürlich auch auf dem Webauftritt seines Kreisverbandes vertreten. Eine gesonderte Vorstellung der beiden Autoren wird in den nächsten Tagen noch online gehen. Den ersten Artikel findet man direkt unter diesem Eintrag.
Also dann, auf fröhliches Bloggen, lieber Jörg, und herzlich Willkommen in Deutschlands politischer Blogosphäre!
P.S. Eine kurze Vorstellung der Autoren dieses Blogs findet man hier.
Bildungspolitik findet meines Erachtens nicht allein im großen Rahmen der Landes- oder Bundespolitik statt.
Bildungspolitik findet vor Ort statt – mit Menschen, die sich dafür verantwortlich fühlen, sich finden, zusammen tun und gestalten wollen.
Nicht das Rufen nach irgendjemanden oder dem Staat bringt uns in der Frage nach vorn, sondern das eigene Handeln.
Ich kann etwas tun, also tue ich etwas. Eigentlich ist das gar nicht so schwer.
Um ein Ohr für die pädagogischen, sozialpädagogischen und bildnerischen Belange im Kreis zu haben, sollte man einfach einmal die Schulen bis hin zu den außerschulischen, sozialen Bildungseinrichtungen besuchen.
Bildungspolitisch müssen sich die Fachleute dafür einsetzen, dass die sozialen Berufe angefangen vom staatlich anerkannten Erzieher bis hin zu den universitären sozialen Berufen endlich zu der Anerkennung in unserer Gesellschaft kommen, die ihnen gebührt – ähnlich wie es in Skandinavien und in der Schweiz schon längstens der Fall ist. Da dies in Deutschland nicht der Fall ist, muss man sich auch nicht über die Verfassung unserer Kinder und Jugendlicher wundern – aber Dank Ritalin und Metylphenidat kann man sie ja im Zaum halten……
Und dazu kommt, dass der Großteil unserer Gesellschaft in den vergangenen Jahren den sozialen Berufen in Aus- und Fortbildung und Ausübung kein Gewicht geschenkt hat, demnach auch keinerlei sonderliche finanzielle Wertigkeit entgegengebracht hat und einem dekadenten Materialismus verfallen ist, sieht es im sozialen und Bildungs-Bereich so aus, wie es nun hierzulande einmal aussieht.
All diesen Menschen, die für diese Entwicklung Verantwortung tragen, sei der „Dank“ der Menschen gewiss – vom Kind bis hin zum Erwachsenen – die in naher Zukunft die Rechnung und Quittung dafür zahlen müssen.
Fachleute sind deshalb dazu aufgefordert, sich dafür einzusetzen, dass schlechte soziale Systeme, die Kinder und Erwachsene durch mangelnde Kompetenzen (system- und/oder ausbildungsbedingt) in ihren Entwicklungen bremst, behindert oder einschränkt, zu verändern. Diese Behinderungen sind heute schon im Kindergarten und in der Grundschule angekommen. Fachfremde sollten keine verantwortlichen Aufgaben in sozialen und Bildungs-Einrichtungen bekommen. Denn sonst könnte auch jeder, der die Bibel lesen kann, sonntags auf die Kanzel steigen und eine Predigt predigen – wer wortgewandt ist, bekommt das allemal hin…..mit anderen Worten, wer Bibel lesen kann, kann sich Pastor nennen….und wer Auto fahren kann, kann Autos bauen…..und wer in einem Haus wohnt kann sich Wohnarchtitekt nennen und Häuser bauen……..
Es sind positive, erziehungs-und bildungswissenschaftliche Modelle anzuregen, die es auch in der bundesrepublikanischen Wirklichkeit schon seit Jahrzehnten im Raum der Privatschulen und erziehungswissenschaftlich orientierten Bildungseinrichtungen äußerst positiv und erfolgreich in die Praxis umgesetzt werden.
Welchen Schaden Menschen nehmen können, ist täglich in therapeutischer und pädagogischer Arbeit zu erleben. Frühe Prävention verhindert enorme spätere, private und insbesondere gesellschaftliche Kosten.
Um qualifizierte, fachliche Arbeit überhaupt leisten zu können, muss nicht nur an der Ausbildung der sozialen und Lehr-Berufe etwas geändert werden, sondern gerade auch an der Personal- und Leitungsstruktur in sozialen und pädagogischen Einrichtungen.
Soziale, pädagogische Einrichtungen gehören in fachliche Hände.
Die Misere im Bildungsbereich rührt auch daher, dass fachinkompetente und fachfremde Personen Einrichtungen leiten und/oder maßgeblich mitbestimmen – ohne eine pädagogische, erziehungs- oder bildungswissenschaftliche Ahnung zu haben. Da wird pädagogisches Arbeiten nämlich schwierig oder gar unmöglich gemacht.
Darunter muss ein Schlussstrich gezogen werden, denn kein anderer Berufsstand lässt es zu, sich von Fachfremden in ihre Kompetenzen so hineinreden zu lassen wie es im pädagogischen Bereich der Fall ist. Von daher ist politische Unterstützung von dringender Notwendigkeit, denn ohne fachliche, politische Unterstützung von Außen ist eine innere Änderung und Reform bestehender Systeme nur schwerfällig bis gar nicht möglich und das können wir uns im Raum des globalisierten Lebens und Überlebens in keiner Weise mehr erlauben.
Manchmal schleicht sich der Eindruck ein, dass nur ein bildungsfernes Volk sich leicht regieren lässt. Stichpunkte Wahlbeteiligung, Lesefeindlichkeit bzgl. der Parteiprogramme, Unwissenheit über politische Zusammenhänge……
„Aufgemerkt – da muss sich etwas ändern !“
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